NGC 869/884, h+χ Persei

Objektbeschreibung

NGC 869 + NGC 884 © Eduard von Bergen
NGC 869/884, h+χ «Hatschi» Persei. Vixen ED-Apochromat 115 mm mit Reducer f/5.2, Canon EOS 20Da, ISO 400, 63s-3x181s-2x362s, Honegg 1460 m.ü.M. © 21. 7. 2006, Eduard von Bergen

Die frühesten bekannten Aufzeichnungen dieses doppelten Sternhaufens stammen aus dem Jahr 150 v. Chr. Hipparchos und Ptolemäus erwähnten sie als «Nebel» oder «wolkiger Fleck», einer der damals ein halbes Dutzend bekannten. Die wahre Natur solcher Flecken blieb bis zur Erfindung des Teleskops ein Mysterium. Ebenfalls ein Mysterium ist, weshalb Charles Messier dieses Objekt nicht in seinen Katalog aufnahm, obwohl es zu seiner Zeit bekannt war und sein Katalog auch andere helle Sternhaufen wie Praesepe (M 44) oder die Plejaden (M 45) beinhaltet. [4]

Die Bezeichnungen dieser beiden Sternhaufen haben sich in den letzten paar hundert Jahren entwickelt. Tycho Brahe vermass eine einzelne Position für diesen «nebelhaften Stern» und Johann Bayer bezeichnete diesen als «χ (chi) Persei». Die Bezeichnung «h Persei» war vermutlich später einem schwachen Stern in der Nachbarschaft zugewiesen worden. Etwa seit den 1840er Jahren war es gebräuchlich den helleren westlichen Haufen (NGC 869) als «χ» und der schwächere östlichere (NGC 884) als «h» zu bezeichnen. [196] Ein in der Schweizer Astroszene aufgetauchter Spitzname ist «Hatschi-Haufen» in Anlehnung als «h+χ Persei». Im englischen Sprachraum findet man oft nur «Double Cluster».

NGC 869 + NGC 884 © Radek Chromik
h+χ Persei: 500 mm Cassegrain f=3625 mm f/7.2; SBIG STL11K; 110+3*55 min LRGB; Sternwarte Lischerli, Ottenleuebad, Berner Oberland; © 2015 Radek Chromik

Die Entfernung von NGC 869 beträgt 2079 pc (6781 Lichtjahre) und die von NGC 884 2345 pc (7648 Lichtjahre). Beide Haufen stehen also auch tatsächlich zusammen und sind nur wenige hundert Lichtjahre voneinander getrennt. Vermutlich entstammen sie aus demselben Sternentstehungsgebiet. Sie bewegen sich mit etwa 40 km/s bis 60 km/s auf uns zu. [145]

Das Alter der beiden Haufen wird auf etwa 10 bis 14 Millionen Jahre geschätzt. Jeder Haufen enthält über 300 blau-weisse Superriesen (sehr heisse und helle Sterne der oberen Hauptreihe), welche stark im UV- und Röntgenbereich wie auch im sichtbaren Licht strahlen. Die schwächeren sind wesentlich zahlreicher. Jeder Haufen hat sicher insgesamt einige tausend bis einige zehntausend Sterne. Obwohl diese heissen Sterne ein paar hundertmal jünger als unsere Sonne sind, sind sie Nahe am Ende ihres Lebens. Die grössten haben sich bereits zu roten Riesen entwickelt, dem letzten Stadium ihres stellaren Lebens. Diese sind im östlicheren Haufen NGC 884 auffälliger, wie Abb. 1 zeigt.

«The Complete New General Catalogue and Index Catalogue of Nebulae and Star Clusters» von J.L.E. Dreyer, nachbearbeitet 1988 von Roger W. Sinnott [142]. Koordinaten in B2000.0.
Name Typ RA [hm] Dec [dm] Const ⌀ ['] vMag Beschreibung
NGC 869OC02 19.0+57 09Per30.4.! Cl, vvL, vRi, st 7...14
NGC 884OC02 22.4+57 07Per30.4.! Cl, vL, vRi, ruby * M

Auffindtipp

Der Doppelsternhaufen h+χ Persei liegt auf dem Gebiet des Sternbildes Perseus zwischen dessen Figur und dem «W» des Sternbildes Cassiopeia. Er ist von blossem Auge sichtbar und daher einfach zu finden. In den Monaten September bis Februar kann er am besten beobachtet werden.

Auffindkarte für NGC 869 + NGC 884
Karte mithilfe von SkySafari 6 Pro [149] und STScI Digitized Sky Survey [160] erstellt.

Visuelle Beobachtung

300 mm Öffnung: Dieser wunderschöne doppelte Sternhaufen ist eines meiner Lieblingsobjekte im kurzbrennweitigen 300 mm f/4 Newton. Mit dem 21 mm Tele Vue Ethos hat man hier 1.75° Gesichtsfeld und beide Haufen passen locker ins Bildfeld. Ist das Teleskop noch nicht ausgekühlt oder die Luft allgemein unruhig, funkeln die vielen hellen Sterne hier besonders schön. Schaut man später nochmals vorbei, wenn das Fernrohr akklimatisiert und die Luft ruhig ist, wirken die vielen Sterne wie Nadelstiche. Die meisten sind weiss-bläulich, doch hie und da hat sich ein roter Stern unter ihnen versteckt. Kein Foto zollt einer Live-Ansicht hier Tribut!

— 2021, Bernd Nies

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