Stephans Quintett (Hickson 92)

Hickson 92
Hickson 92: Galaxiengruppe «Stephans Quintett» in Pegasus; 500 mm Cassegrain 3625 mm f/7.2; SBIG STL11K; 17x10 min lum, 6x10 min RGB; Berner Oberland; © 2011 Radek Chromik

Geschichte

Diese kompakte Galaxiengruppe war die erste, welche entdeckt wurde. Sie wurde erstmals 1876 vom französischen Astronomen Jean Marie Édouard Stephan gesichtet. Er war von 1866 bis 1907 Direktor an der Sternwarte in Marseille. Damals sah er jedoch nur vier Nebel und schrieb: «Die vier Nebel 19, 20, 21 und 22 sind sehr sehr schwach, sehr klein und schwierig zu beobachten. Der schönste ist 19, dann kommen 20, 21, 22. Obwohl 22 der kleinste der vier ist, ist er der hellste.» [420]

Die vier Nebel wurden 1888 vom dänisch-irischen Astronomen Johann (John) Louis Emil Dreyer als NGC 7317, NGC 7318, NGC 7319, NGC 7320 in seinen «New General Catalogue of Nebulae and Clusters of Stars» aufgenommen. [313] Aus Stephan's ehemaligen Quartett wurde ein Quintett, als NGC 7318 sich als zwei Galaxien entpuppte und wurde fortan NGC 7318A und NGC 7318B genannt. Der amerikanische Astronom Halton Arp führte in seinem 1966 erschienenen «Atlas of Peculiar Galaxies» diese Gruppe unter der Bezeichnung Arp 319 als ein Beispiel für eine Gruppe von Galaxien auf. [199]

Stephans Quintett
Stephans Quintett: Aufnahme mit dem Hubble Weltraumteleskop. © NASA, ESA, Hubble SM4 ERO Team [421]

Paul Hickson führt diese Galaxiengruppe in seinem 1993 erschienenen «Atlas of Compact Groups of Galaxies» als HCG 92 auf. Er schrieb dazu: «Das ist die berühmte Gruppe Stephans Quintett, auch Arp 319 und VV 228. Sie besteht aus einem kompakten Quartett plus einer hellen Spiralgalaxie mit niedriger Rotverschiebung (NGC 7320). Das Quartett hat eine relativ hohe Geschwindigkeitsdispersion und eine kurze Kreuzungszeit. Die verzerrte Galaxie (NGC 7319) ist eine Infrarot- und Radioquelle.» [166]

Physikalische Eigenschaften

Die hellste und größte Galaxie in diesem Quintett ist NGC 7320. Sie zählt aber nicht zu der Gruppe, sondern weist eine wesentlich geringere Rotverschiebung auf und befindet sich im Vordergrund in einer Entfernung von etwa 14-18 Mpc, während sich die anderen Galaxien in etwa 90-97 Mpc befinden. [145] Es wird vermutet, dass sie physischer Begleiter der größeren Galaxies NGC 7331 sein könnte, welche sich in etwa derselben Distanz befindet. Etwas weiter gen Osten befindet sich noch eine weitere kleine Galaxie: NGC 7320C. Sie liegt in etwa derselben Entfernung wie die anderen Galaxien und gehört tatsächlich zur Gruppe. Alle Mitglieder dieser Gruppe zeigen gravitative Wechselwirkungen untereinander. Kinematische untersuchungen zeigten, dass NGC 7320C und NGC 7318B in die Gruppe eindrangen und die Gezeitenarme erzeugten. [422]

Revised+Historic NGC/IC, Version 22/9, © Dr. Wolfgang Steinicke [277]
NameRADecTypbMagvMagDimDreyer BeschreibungIdentifikation, Anmerkungen
NGC 731722 35 51.9+33 56 43Gx (E4)14.613.60.4 × 0.4vF, vSMCG 6-49-38, CGCG 514-60, VV 288, Arp 319, HCG 92E, Stephan's quintet
NGC 7318 A22 35 56.7+33 57 58Gx (E2/P)14.313.41.2 × 1eF, eSUGC 12099, MCG 6-49-39, CGCG 514-61, VV 288, Arp 319, ARAK 560, HCG 92D, NPM1G +33.0464, Stephan's quintet
NGC 7318 B22 35 58.3+33 58 00Gx (SBbc)14.013.11.6 × 1.1eF, eSUGC 12100, MCG 6-49-40, CGCG 514-62, Arp 319, VV 288, HCG 92B, NPM1G +33.0464, Stephan's quintet
NGC 731922 36 03.5+33 58 35Gx (SBbc)14.113.11.4 × 1.1eF, eSUGC 12102, MCG 6-49-41, CGCG 514-64, IRAS 22337+3342, NPM1G +33.0466, HCG 92C, Arp 319, VV 288, Stephan's quintet
NGC 732022 36 03.5+33 56 54Gx (Scd)13.212.62.2 × 1.1F, vSUGC 12101, MCG 6-49-42, CGCG 514-63, VV 288, Arp 319, HCG 92A, Stephan's quintet
NGC 7320 A22 36 32.2+33 47 46Gx (S0)16.015.00.4 × 0.2F, vS
NGC 7320 B22 37 28.1+33 55 24Gx (S)15.614.80.6 × 0.2F, vSCGCG 514-72
NGC 7320 C22 36 20.3+33 59 08Gx (SB0-a)16.715.50.6 × 0.4F, vSMCG 6-49-43, NPM1G +33.0467, Member of Stephan's quintet?

Auffindkarte

Die Galaxiengruppe befindet sich im Sternbild Pegasus. Die größere und hellere Galaxie NGC 7331 kann als Aufsuchhilfe verwendet werden. Stephans Quintett befindet sich nur ein halbes Grad südwestlich davon. Die beste Beobachtungszeit ist Juni bis November.

Karte Stephans  Quintett (Hickson 92)
Stephans Quintett (Hickson 92) im Sternbild Pegasus. Karte mithilfe von SkySafari 6 Pro und STScI Digitized Sky Survey erstellt. [149, 160]

Visuelle Beobachtungen

762 mm Öffnung: Alle fünf Mitglieder von Stephans Quintett (NGC 7317, 7318A, 7318B, 7319, 7320) waren gut sichtbar. Eine genauere Beschreibung wurde aufgrund fortgeschrittener Müdigkeit zur frühen Morgenstunde unterlassen. — 14. 8. 2021 Bernd Nies, Eduard von Bergen, 30" Slipstream Dobsonian, Hasliberg.

Weitere Objekte in der Nähe (±15°)

Quellenangaben

145SIMBAD astronomical database; simbad.u-strasbg.fr/simbad
149SkySafari 6 Pro, Simulation Curriculum; skysafariastronomy.com
160The STScI Digitized Sky Survey; archive.stsci.edu/cgi-bin/dss_form
166Atlas of Compact Groups of Galaxies (Special Issue); Hickson, P.; Astrophysical Letters and Communications, Vol. 29, p. 1, 1993; Bibcode:1993ApL&C..29....1H
199«Atlas Of Peculiar Galaxies», Halton Arp, 1966; Astrophysical Journal Supplement, vol. 14, p.1 (1966); DOI:10.1086/190147; Bibcode:1966ApJS...14....1A
277«Historische Deep-Sky Kataloge» von Dr. Wolfgang Steinicke; klima-luft.de/steinicke (2021-02-17)
313«A New General Catalogue of Nebulae and Clusters of Stars, being the Catalogue of the late Sir John F.W. Herschel, Bart., revised, corrected, and enlarged» Dreyer, J. L. E. (1888); Memoirs of the Royal Astronomical Society. 49: 1–237; Bibcode:1888MmRAS..49....1D
420«Nébuleuses nouvelles découvertes et observées à l'Observatoire de Marseille» Par M. E. Stephan; Monthly Notices of the Royal Astronomical Society, Volume 37, Issue 6, April 1877, Pages 334–339; DOI:10.1093/mnras/37.6.334
421Galactic Wreckage in Stephan's Quintet; nasa.gov/mission_pages/hubble/multimedia/ero/ero_stephan_quintet.html (2021-08-19)
422«Searching for intergalactic star forming regions in Stephan’s Quintet with SITELLE» S. Duarte Puertas, J. Iglesias-Páramo, J. M. Vilchez, L. Drissen, C. Kehrig and T. Martin; A&A Volume 629, September 2019; DOI:10.1051/0004-6361/201935686