Kugelsternhaufen Messier 5

Objektbeschreibung

Messier 5
M 5, aufgenommen vom Hubble Weltraumteleskop, 2011 [250]

Die Entdeckung des Kugelsternhaufens Messier 5 wird dem deutschen Astronomen Gottfried Kirch zugeschrieben, der 1705 Direktor des Königlichen Observatoriums in Berlin wurde. Aus den Aufzeichnungen seiner Frau Marie Margarethe geht hervor, dass die Entdeckung in der Nacht des 5. Mai 1702 stattfand, während Kirch Ausschau nach einem Kometen hielt. Kirch war ebenfalls der Entdecker des langperiodisch Veränderlichen χ Cygni, des prächtigen Sternhaufens M 11 in der Schildwolke und des Grossen Kometen von 1680. Charles Messier entdeckte den Kugelsternhaufen im Mai des Jahres 1764 auf ein neues und nahm ihn als fünftes nebelhaftes Objekt in seine berühmte Liste auf. Wie bei fast allen Kugelsternhaufen konnte er erstmals 1791 von Sir William Herschel in Einzelsterne aufgelöst werden.

Der Sternhaufen weist eine mittlere Radialgeschwindigkeit von 53.7 km/s auf und die Entfernung beträgt etwa 26'000 Lichtjahre, etwas weiter entfernt als M 13. Diese beiden Kugelsternhaufen erscheinen nahezu identisch in Grösse und Leuchtkraft. Die Population beider Haufen wird auf mehr als eine halbe Million Sterne geschätzt, wobei die meisten auf diese grosse Distanz gar nicht auszumachen sind. Unsere Sonne in derselben Entfernung wie M 5 erschiene uns als ein winziges Sternchen von 19.4 mag. Dies sagt uns, dass die hellsten Sterne des Haufens gewaltige Riesen mit der absoluten Helligkeit von -3 oder -3.5 mag sein müssen. Die wahre Leuchtkraft eines solchen Sternes beträgt rund das 2000-fache unserer Sonne. M 5 emittiert die Lichtmenge von etwa einer Viertelmillion Sonnen. [4, 145, 250]

Die Form von M 5 ist nicht kugelrund, sondern etwa 10 Prozent elliptisch; die längere Achse nach Positionswinkel 50° geneigt. Es macht sich auch eine leicht unregelmässige Verteilung der hellsten Sterne bemerkbar, wenn man M 5 mit einem typisch «glatten» Kugelsternhaufen wie Omega Centauri vergleicht. Radiale Sternketten fallen in den Randbezirken des Haufens auf und geben etwas den Eindruck einer Spiralform. [4]

Der Kugelsternhaufen M 5 zählt mit einem Alter von 12 Milliarden Jahren zu den ältesten der Milchstrasse. Die meisten seiner Sterne sind in derselben Kinderstube gross geworden und haben zusammen ein hohes Alter erreicht. Die massereichsten Sterne altern am schnellsten und verbrauchen ihren Brennstoff in weniger als einer Million Jahre und beenden ihr Leben in einer spektakulären Supernova. Dieser Prozess würde nur alte, massearmen Sterne übrig lassen, welche sich abkühlen, zu roten Riesen werden, während die ältesten Sterne sich noch weiter zu blauen, horizontalen Zweigsternen entwickeln.

Dennoch haben Astronomen in dem Kugelsternhaufen viele junge, blaue Sterne entdeckt. Man vermutet, dass diese Nachzügler entweder durch Sternenkollisionen oder durch Massentransfer zwischen Doppelsternen entstanden sind. Solche Ereignisse sind in dicht besiedelten Kugelsternhaufen leicht vorstellbar, in denen bis zu einige Millionen Sterne dicht zusammengepackt sind. [250]

«The Complete New General Catalogue and Index Catalogue of Nebulae and Star Clusters» von J.L.E. Dreyer, nachbearbeitet 1988 von Roger W. Sinnott [142].
NameNGC 5904
TypGb
RA / Dec (B2000.0)15h 18.6m / +02° 05'
SternbildSer
Durchmesser17.4 '
vMag5.8
Beschreibung!!, glob. cl. , vB, L, eCM, st 11...15; = M5

Auffindtipp für Messier 5

Der Kugelsternhaufen befindet sich im Sternbild Kopf der Schlange (Serpens Caput), westlich vom Schlangenträger (Ophiuchus). Im östlichen Teil des Sternbildes Jungfrau (Virgo) stehen die beiden weniger auffälligen Sterne 109 Virginis (3.8 mag) und der schwächere 110 Virginis (4.6 mag). Diese Verbindungslinie um die gleiche Strecke nach Osten verlängert verrät die Position des Kugelsternhaufens Messier 5, welcher sich in unmittelbarer Nähe vom 5.2 mag schwachen Stern 5 Serpentis Cauda befindet. In klaren, dunklen Nächten ist dieser Stern auch von blossem Auge auszumachen. In den Monaten April bis August ist das Sternbild am besten beobachtbar.

Karte mithilfe von SkySafari 6 Pro [149] und STScI Digitized Sky Survey [160] erstellt.

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