Galaxien Messier 106 & NGC 4217

Geschichte

Die Galaxie M 106 wurde am 17. Juli 1781 von Pierre Méchain, einem guten Freund von Charles Messier entdeckt. Leider kam seine Entdeckung nachdem Messier seine Liste von zur Veröffentlichung in der «Connoissance des Temps» von 1784 eingereicht hatte. Möglicherweise wäre der Nebel in einer späteren Publikation von Messiers Katalog aufgenommen worden, doch es gab keine. Wilhelm Herschel war deshalb diese Entdeckung unbekannt, als er am 9. März 1788 auf diese Galaxie stiess. Diese wurde 1830 von seinem Sohn John in den «General Catalogue» und später von Dreyer als NGC 4258 in seinen 1888 erschienenen «New General Catalogue of Nebulae and Star Clusters» aufgenommen. Erst 1947 identifizierte Helen Sawyer Hogg NGC 4258 mit Méchains Entdeckung und fügte diese zusammen mit M 105 und M 107 dem Messier-Katalog hinzu. [196]

M 106
M 106: Galaxie M 106 und Begleitgalaxie NGC 4248 (links). Ganz links oben das Galaxienpaar NGC 4231/2; Meade Schmidt-Newton 254mm f/4, Canon EOS 20Da; ISO 1600, 18 x 5 min; Oberes Schlierental, Obwalden; © 6. 4. 2007 Eduard von Bergen
M 106
M 106: Galaxie in Canes Venatici; 500 mm Cassegrain 3625 mm f/7.2; SBIG STL11K; 70+30+30+30 min LRGB; Berner Oberland; © 2011 Radek Chromik

Physikalische Eigenschaften von M 106

Messier 106
Messier 106: Kombination aus Aufnahmen mit dem Hubble Space Telescope und erdgebundenen Teleskopen. © ESA/Hubble & NASA [215]

Die in Abb. 3 gezeigte Aufnahme ist eine Kombination aus Aufnahmen mit dem Hubble Weltraumteleskop (Zentralregion) und erdgebundenen 12.5" und 20" Teleskopen von Robert Gendler in New Mexico. Sie zeigt eines der auffälligsten Merkmale von M 106: ein zusätzliches Armpaar. Die meisten Spiralgalaxien haben nur ein Paar Arme, aber M 106 hat einen zusätzlichen Satz, der hier als rote Gasfetzen zu sehen sind. Im Gegensatz zu den anderen Armen bestehen diese beiden zusätzlichen Arme mehr aus heissem Gas als aus Sternen. Astronomen führen diese geisterhaften Arme auf das supermassive Schwarze Loch im Zentrum der Galaxie zurück. Die zusätzlichen Arme scheinen eine indirekte Folge des heftigen Aufwirbelns der Materie um das Schwarze Loch zu sein. In den letzten 20 Jahren gemessene heliozentrische Geschwindigkeiten reichen von 416 km/s bis 456 km/s und Entfernungen 6.6 Mpc bis 7.6 Mpc (21 bis 24 Millionen Lichtjahre) [145, 215]

Revised+Historic NGC/IC, Version 22/9, © Dr. Wolfgang Steinicke [277]
BezeichnungNGC 4258
TypGx (SBbc)
Rektaszension12h 18m 57.8s
Deklination+47° 18' 25"
Durchmesser18.6 × 7.2 arcmin
Fotografische (blaue) Helligkeit9.1 mag
Visuelle Helligkeit8.4 mag
Oberflächenhelligkeit13.6 mag·arcmin-2
Position angle150°
Rotverschiebung0.001494
Entfernung abgeleitet von z6.31 Mpc
Metrische Entfernung7.440 Mpc
Dreyer BeschreibungvB, vL, vmE 0°, sbMBN
Identifikation, AnmerkungenM 106, UGC 7353, MCG 8-22-104, CGCG 243-67, VV 448, CGCG 244-3

Weitere Galaxien in der Umgebung

NGC 4217, 4226
NGC 4217, 4226: Edge-On Galaxie NGC 4217 und NGC 4226 (links). Ausschnitt aus dem Sloan Digitized Sky Survey [147]

Die Galaxie NGC 4217 wurde am 10. April 1788 von Wilhelm Herschel entdeckt. Sie hat eine Winkelausdehnung von etwa 5.2 x 1.5 Bogenminuten und eine scheinbare Helligkeit von 12 Magnituden. Wir sehen sie direkt von der Kante, weshalb nicht ganz eindeutig ist, ob es sich um eine klassische Spiralgalaxie oder um eine Balkenspiralgalaxie handelt. Die in den letzten 20 Jahren mittels Spektralverschiebung gemessenen heliozentrische Geschwindigiketen reichen von 1000 km/s bis 1031 km/s. Entfernungen reichen von 17 Mpc bis 20 Mpc (55 bis 65 Millionen Lichtjahre). [145, 196]

NGC 4226 wurde am 19. März 1828 von John Herschel entdeckt. Sie ist mit einer Winkelausdehnung von etwa 1.0 x 0.5 Bogenminuten recht klein und ist nur 14 Magnituden hell. Die Galaxie scheint eine Balkenspiralstruktur aufzuweisen. In den letzten 20 Jahren wurden verschiedene Messungen vorgenommen, welche heliozentrische Geschwindigkeiten von 7238 km/s bis 7260 km/s ergaben. Die daraus ermittelten Distanzen reichen von 104 Mpc bis 121 Mpc (339 bis 394 Millionen Lichtjahre). [145, 196]

NGC 4231, NGC 4232
NGC 4231, NGC 4232: Galaxienpaar NGC 4231 (oben) und NGC 4332 (unten). Farblich angepasster Ausschnitt aus dem Sloan Digitized Sky Survey [147]

Die beiden Galaxien NGC 4231 und NGC 4232 wurden am 9. März 1788 von Wilhelm Herschel entdeckt. Sie sind mit einer Winkelausdehnung von etwa 1.5 Bogenminuten recht klein und mit einer Helligkeit von 15 Magnituden recht lichtschwach. NGC 4231 ist eine Spiralgalaxie des morphologischen Typs SA0, entfernt sich mit einer Geschwindigkeit von etwa 7400 km/s und liegt in einer Entfernung von etwa 107 Mpc bis 109 Mpc (349 bis 355 Millionen Lichtjahre). NGC 4232 ist eine Balkenspirale des morphologischen Typs SBb. Sie liegt uns mit einer Entfernung von 104 Mpc bis 107 Mpc (339 bis 349 Millionen Lichtjahre) etwas näher und entfernt sich mit rund 7200 km/s. [145, 196]

NGC 4248
NGC 4248: Farblich angepasster Ausschnitt aus dem Sloan Digitized Sky Survey [147]

Auch NGC 4248 wurde am gleichen Tag von Wilhelm Herschel entdeckt. Es handelt sich um eine irreguläre Galaxie, welche wir von der Kante sehen. Gemessene heliozentrische Geschwindigkeiten reichen von 445 km/s bis 486 km/s und Distanzen von 7.2 Mpc bis 8.9 Mpc. Sie liegt somit in unmittelbarer Nachbarschaft zu M 106, welche vermutlich durch gravitative Wechselwirkungen für das Aussehen von NGC 4248 verantwortlich ist. [145, 196]

Revised+Historic NGC/IC, Version 22/9, © Dr. Wolfgang Steinicke [277]
NameRADecTypbMagvMagDimDreyer BeschreibungIdentifikation, Anmerkungen
NGC 421712 15 50.6+47 05 24Gx (Sb)12.011.25.2 × 1.5pF, L, mE 45°, ** n, p of 2UGC 7282, MCG 8-22-87, CGCG 243-53
NGC 422612 16 26.3+47 01 32Gx (Sa/P)14.413.51 × 0.5F, S, lE, f of 2UGC 7297, MCG 8-22-90, CGCG 243-57
NGC 423112 16 48.9+47 27 29Gx (S0-a)14.513.61.2 × 1.1vF, vS, n of D nebUGC 7304, MCG 8-22-94, CGCG 243-60, NPM1G +47.0223
NGC 423212 16 49.0+47 26 20Gx (SBb/P)14.413.61.3 × 0.7vF, vS, s of D nebUGC 7303, MCG 8-22-93, CGCG 243-59, IRAS 12143+4743
NGC 424812 17 50.4+47 24 33Gx (SBb)13.112.52.9 × 1.2vF, S, pmE, psbMUGC 7335, MCG 8-22-99, CGCG 244-1, CGCG 243-64

Auffindkarte

M 106 befindet sich im Sternbild Canes Venatici (Jagdhunde) etwa auf halber Strecke zwischen den Sternen Chara (β Canum Venaticorum) und Phecda (γ Ursae Majoris). Sie ist für Mitteleuropa zirkumpolar und steht in den Monaten Februar bis Juli am höchsten am Nachthimmel.

Karte Galaxien Messier 106 & NGC 4217
Galaxien Messier 106 & NGC 4217 im Sternbild Canes Venatici. Karte mithilfe von SkySafari 6 Pro und STScI Digitized Sky Survey erstellt. [149, 160]

Weitere Objekte in der Nähe (±15°)

Quellenangaben

145SIMBAD astronomical database; simbad.u-strasbg.fr/simbad
147Aladin Lite; aladin.u-strasbg.fr/AladinLite (2020-12-23)
149SkySafari 6 Pro, Simulation Curriculum; skysafariastronomy.com
160The STScI Digitized Sky Survey; archive.stsci.edu/cgi-bin/dss_form
196Celestial Atlas by Curtney Seligman; cseligman.com/text/atlas.htm (2020-12-28)
215Explore - The Night Sky | Hubble’s Messier Catalog; nasa.gov/content/goddard/hubble-s-messier-catalog (2020-12-31)
277«Historische Deep-Sky Kataloge» von Dr. Wolfgang Steinicke; klima-luft.de/steinicke (2021-02-17)