Planetarischer Nebel NGC 6781

Objektbeschreibung

NGC 6781
NGC 6781: 500 mm Cassegrain 5800 mm f/11.4; SBIG STL11K; 30+10+10+10 min LRGB; Sternwarte Lischerli, Ottenleuebad, Berner Oberland; © 2005 Radek Chromik

NGC 6781 sind die leuchtenden Überreste eines roten Riesen, der vor mehreren Tausend Jahren sein Sternendasein aufgeben musste und schliesslich in das Stadium eines planetarischen Nebels überging.

Im für PN gebräuchlichen Klassifikationsschema von Vorontsov-Velyaminov wird das Objekt als Typ IIIb+III bezeichnet. Eine unregelmässige Scheibe mit Spuren einer Ringstruktur (IIIb) und eine unregelmässige Scheibe ohne Ringstruktur im inneren Bereich. Diese Beschreibung entspricht auch dem Aussehen im Amateur-Teleskop (siehe unten).

NGC 6781
CCD-Aufnahme mit dem Kitt-Peak 2.1-m-Teleskop, © 1987 Bruce Balick

Der Ring ist eigentlich nur eine optische Täuschung, er existiert nicht wirklich. Wenn man einen ringförmigen PN von der Seite anschauen würde, gliche er vielmehr einer Sanduhr. Er sähe also ähnlich wie der Hantelnebel M 27 oder der Erdnussnebel NGC 2371/2 aus! Da wir aber NGC 6781 von oben sehen, d. h. auf die Pole blicken, scheinen sich die mehr oder weniger durchsichtigen Hälften zu 'überlagern'. Dies hat zur Folge, dass wir eine Art Ring sehen.

Messungen der Radio- und Infrarotstrahlung von NGC 6781 haben gezeigt, dass im Nebel nebst ionisierten Gasen auch Moleküle wie Kohlenmonoxid (CO) und Wasserstoff (H2) vorhanden sind.

In Roger N. Clarks Buch Visual Astronomy of the Deep-Sky wird die Helligkeit des Zentralsterns mit 15.5 mag angegeben. Im Deep Sky Field Guide to Uranometria findet man jedoch den Wert 16.2 mag.

— 1996, Philipp Reza Heck

Daten für NGC 6781, zusammengefasst aus unterschiedlichen Katalogen.
BezeichnungenARO 32, NGC 6781, PK 41-02 1, PNG 041.8-02.9, VV 228, VV' 492
RA / Dec (B2000.0)19h 18.4m / +06° 33' [142]
SternbildAql [142]
Objekt KlassePl [142]
Abmessungen 1.8' [142], 108." (optisch), 130." (radio) [141]
Scheinbare Magnitude12. mag p [142]
Entfernung 1.6 kpc [141]
Radialgeschwindigkeit+4.3 km/s ± 3.7 km/s [141]
Expansionsgeschwindigkeit 12.0 km/s (O-III) [141]
Z-Stern BezeichnungenAG82 363 [141]
Z-Stern Magnitude17.10 mag (B filter), 16.78 mag (V filter) [141]
Beschreibung (Dreyer)PN , F, L, R, vsbM disc, S* nf [142]
EntdeckerHERSCHEL 1830 [141]

Wie findet man NGC 6781?

Dieser planetarische Nebel liegt im westlichen Flügel des Sternbilds Adler. Er liegt eigentlich gerade auf der Flügelachse, also auf der Verbindungslinie vom 'Achsenkreuz' des Adlers, δ Aquilae (3.4 mag) mit der Flügelspitze ζ Aquilae (3.0 mag). Die eher geringe Flächenhelligkeit des Nebels setzt einen nicht allzu stark lichtverschmutzten Himmel ohne störenden Mond voraus, um den PN mit Erfolg zu finden. Die beste Beobachtungszeit ist Juli bis September.

Karte
Karte mithilfe von SkySafari 6 Pro und STScI Digitized Sky Survey erstellt. [149,160]

Visuelle Beobachtung

Zeichnung von NGC 6781
Zeichnung, 150mm Refraktor, 140x, O-III Filter (8.9.96 Beat Kohler)

150 mm Öffnung: Im 150 mm Refraktor bei etwa 140-facher Vergrösserung und O-III Filter erscheint das Objekt schwach. Strukturen sind nur unsicher zu erkennen, vermutlich ringartig. Die eine Hälfte des Nebels wirkt jedoch deutlich heller.

— 1996, Beat Kohler

Zeichnung von NGC 6781
Zeichnung, 200mm SCT, 226x, ohne Filter (Philipp Reza Heck)

200 mm Öffnung: Wegen der beachtlichen Grösse von NGC 6781 beginnt man bei 200 mm Öffnung am besten mit einer mittleren Vergrösserung - um 150-fach herum. Schon bei kleinerer Vergrösserung eine runde, fast kreisförmige Scheibe sichtbar. Bei genauerer Beobachtung (über 220-fach) macht sich eine deutliche Ringstruktur bemerkbar, wobei der Ring im Süden dicker und heller ist. Im Norden scheint der Ring sich fast aufzulösen. Innerhalb des Rings ist der Nebel deutlich schwächer. Die Verwendung eines O-III-Filters bringt eine lohnende Kontrastverbesserung. Mit dem Filter zeigt sich im Bereich innerhalb des Rings eine komplizierte Struktur. Der Zentralstern bleibt unsichtbar. Bei gutem Himmel ist NGC 6781 einer der interessantesten und schönsten PN's der mit einem Amateur-Teleskop beobachtet werden kann.

— 1996, Philipp Reza Heck

350 mm Öffnung: Es ist vorwegzunehmen, dass der Zentralstern mit der Helligkeit von 16.2 mag weit ausserhalb der Reichweite eines 14"-Dobson liegt. Vielmehr bietet NGC 6781 eine feine strukturreiche Nebelscheibe. Es bildet sich im Aussenbereich des Nebels ein Kranz von zwei Dritteln Umfang. Dieser Kranz stellt sich klar heller als etwa der Innenbereich dar. Aussen- und Innenbereich sind fein strukturiert. [192]

14" PWO-Dobson, F:4.6 / TV-Nagler 13mm, 123x, 0.67° und TV-Radian 8mm, 200x, 0.3°
Eduard von Bergen

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