Käfer-Nebel (NGC 6302)

NGC 6302
NGC 6302: Aufnahme mit dem Hubble Weltraumteleskop. © ESA/Hubble & NASA [521]

Geschichte

Der Nebel wurde 1880 von Edward Barnard mit seinem privaten 5-Zoll-Refraktor in Nashville entdeckt. Er schlug den Namen «Käfer-Nebel» (engl. Bug Nebula) vor. [196]

Beim Durchsuchen der Fotoplatten des «Palomar Observatory Sky Survey» nach H-II-Regionen stieß der amerikanische Astronom Stewart Sharpless auf diesen Nebel und führte ihn in seinen 1953 und 1959 veröffentlichten Katalogen als Sh 1-3 und Sh 2-6 auf. [309, 310] Colin S. Gum listete den Nebel 1955 als Gum 60 und stellte fest, dass es sich gemäß Vorontsov-Velyaminov in 1934 um einen «zweifelhaften Planetarischen» handele, aber die Form des Objekts auf einen diffusen Nebel schließen ließe. [555]

Moderne hochauflösende Bilder zeigen, dass der Nebel eher wie ein Schmetterling aussieht, weshalb er manchmal auch «Schmetterlingsnebel» (engl. Butterfly Nebula) genannt wird, ein Name, der auch für die planetarischen Nebel NGC 2346 oder Minkowski 2-9 verwendet wird.

Physikalische Eigenschaften

Der Planetarische Nebel NGC 6302 liegt etwa 3800 Lichtjahre entfernt. Das Alter des Nebels wird auf etwa 2200 Jahre geschätzt. Er dehnt sich über mehr als 2 Lichtjahre aus.

Der Zentralstern ist in einem donutförmigen Ring aus Staub verborgen, der als dunkles Band erscheint, das den Nebel in der Mitte einschnürt. Der dicke Staubgürtel engt den Ausfluss des Sterns ein, wodurch die klassische bipolare oder sanduhrförmige Form entsteht, die einige planetarische Nebel aufweisen.

Die Oberflächentemperatur des Sterns wird auf etwa 222'000 Kelvin geschätzt. Spektroskopische Beobachtungen zeigten, dass das Gas etwa 20'000 Kelvin hat, was im Vergleich zu typischen planetarischen Nebeln ungewöhnlich heiss ist.

Die äußeren Ränder des Nebels sind größtenteils auf das von Stickstoff emittierte Licht zurückzuführen. Die inneren Regionen sind Bereiche, in denen das Licht von Schwefel emittiert wird. Dies sind Regionen, in denen schnelles Gas den Stern überholt und mit langsamem Gas kollidiert, das den Stern zu einem früheren Zeitpunkt verlassen hat, wodurch Schockwellen im Gas entstehen. [522]

«Strasbourg-ESO Catalogue of Galactic Planetary Nebulae» Acker et al., 1992 [141]
Bezeichnungen PN G349.5+01.0: NGC 6302, PK 349+01.1, ARO 502, ESO 392-05, Gum 60, He 2- 204, RCW 124, Sa 2- 180, Sh 1- 3, Sh 2- 6, VV 94, VV' 168, Wray 16- 259
Rektaszension (J2000.0) 17h 13m 44s
Deklination (J2000.0) -37° 06' 06"
Abmessungen 44.5" (optisch), 10." (radio)
Radialgeschwindigkeit -39.0 ± 2.1 km/s
Expansionsgeschwindigkeit 8.0 (O-III) km/s
Z-Stern Bezeichnungen AG82 233, CD -36 11341, CPC 18 8579, GCRV 9926, HD 155520
Z-Stern Magnitude B: >21.1
Entdecker FLEMING 1896

Auffindkarte

Der planetarische Nebel NGC 6302 befindet sich in der Nähe vom Stachel des Skorpions im Sternbild Scorpius. Die beste Beobachtungszeit ist in den kurzen Sommernächten von April bis August, wenn der Teil des Sternbilds nachts am höchsten über dem südlichen Horizont steht. Am 9. Juni steht er in Opposition zur Sonne. Ein Beobachtungsort mit freier Sicht gen Süden ist hier erforderlich, denn der Nebel kommt mit einer Deklination von -37° in der Schweiz gerade mal knapp 10° über den Horizont, wenn er im Meridian steht. Vorzugsweise sollten dann noch alle in Mailand das Licht löschen.

Auffindkarte Käfer-Nebel (NGC 6302)
Käfer-Nebel (NGC 6302) im Sternbild Scorpius. Karte mithilfe von SkySafari 6 Pro und STScI Digitized Sky Survey erstellt. Grenzgrößen: Sternbildkarte ~6.5 mag, DSS2-Ausschnitte ~20 mag. [149, 160]

Visuelle Beobachtung

500 mm Öffnung: Im 27 mm Tele Vue Panoptic (87x) ist NGC 6302 bereits sehr auffällig als heller Streifen mit einem Stern in der Mitte erkennbar. Bei höherer Vergrößerung (9 mm Tele Vue Nagler, 263x) zeigen sich zwei geschwungene Fortsätze fast wie die Spiralarme einer Galaxie. — 20" f/4.7 Ursus Dobson, Astrofarm Tivoli, Namibia, 11. 9. 2023, Bernd Nies

Objekte innerhalb eines Radius von 15°

Quellenangaben