Hexenkopfnebel (IC 2118)

IC 2118
IC 2118: Hexenkopfnebel in Eridanus; 4.5" Vixen ED115 Reducer f/5.2, Canon EOS 20Da; 150 min, 1600 ISO; Sternwarte Oberes Schlierental, Obwalden; © 2008 Eduard von Bergen

Geschichte

Der Hexenkopfnebel wurde am 20. Dezember 1786 von Wilhelm Herschel mit seinem 18.7" Spiegelteleskop von 20 Fuß Brennweite entdeckt und als V 38 verzeichnet. Er notierte dazu: «stark vermuteter Nebel sehr großen Ausmaßes, Nicht weniger als 2° 11' in Poldistanz (Deklination) und 26 Sekunden in Rektaszension.» [464] In Dreyers 1888 erschienenem «New General Catalogue» [313] erhielt dieser Eintrag die Bezeichnung NGC 1909. Doch in Herschels 1789 publizierten zweiten Teil seines Kataloges [464] hatte sich ein Fehler eingeschlichen: Er bestimmte die Position seiner entdeckten Nebel stets relativ zu bekannten Sternen und verwendete diesmal den Stern Rigel (β Orionis). Der Nebel wurde jedoch rund 11 Minuten in Rektaszension östlich statt westlich angegeben (f für following, statt p für preceeding). An der von ihm notierten Position war nichts zu finden, das auf seine Beschreibung passen könnte. Der Nebel wurde dann am 16. Januar 1891 von Max Wolf wiederentdeckt und erhielt in Dreyers «Index Catalogue» [314] dann die Bezeichnung IC 2118, welche heute üblich ist. [196]

Physikalische Eigenschaften

Bei IC 2118 handelt es sich um eine Staubwolke in der Nähe des hellen Sterns Rigel (β Orionis), welches das bläulich-weiße Licht des Sterns reflektiert und streut. Beide befinden sich in etwa 800 Lichtjahren Entfernung. Vermutlich handelt es sich um den Überrest einer Supernova oder Teile einer Gasblase, welche von den heißen Sternen in Orions Gürtel und im Orionnebel weggeblasen wird, zu der auch der Barnard Loop östlich des Sternbildes Orion zählt. [196, 253]

Beobachtungenn mit Radioteleskopen zeigen ein ein beträchtliches Vorkommen an Kohlenmonoxid-Emissionen, ein Indiz für die Präsenz von Molekularwolken und Sternentstehung im Nebel. Im Nebel wurden Kandidaten für eine Vorstufe der Hauptsequenz-Sterne und einige klassiche T-Tauri Sterne gefunden. [254]

Revised+Historic NGC/IC, Version 22/9, © Dr. Wolfgang Steinicke [277]
NameRADecTypbMagvMagDimDreyer BeschreibungIdentifikation, Anmerkungen
NGC 190905 25 54.0-08 01 00NFeL, strongly susp (2° in PD)
IC 211805 04 54.0-07 15 00RN180 × 60F, eL, iF, III 500 inv sLBN 959, CED 41, Witch Head nebula

Auffindkarte

Der Hexenkopfnebel befindet sich an der Quelle des Flusses Eridanus, knapp 2.5° westlich von Rigel (β Orionis). Er ist ein großflächiger, lichtschwacher Reflexionsnebel.

Karte Hexenkopfnebel (IC 2118)
Hexenkopfnebel (IC 2118) im Sternbild Eridanus. Karte mithilfe von SkySafari 6 Pro und STScI Digitized Sky Survey erstellt. [149, 160]

Weitere Objekte in der Nähe (±15°)

Quellenangaben

149SkySafari 6 Pro, Simulation Curriculum; skysafariastronomy.com
160The STScI Digitized Sky Survey; archive.stsci.edu/cgi-bin/dss_form
196Celestial Atlas by Curtney Seligman; cseligman.com/text/atlas.htm (2020-12-28)
253Witch Head Nebula; nasa.gov/multimedia/imagegallery/image_feature_1209.html (2021-01-30)
254«The IC2118 association: new T Tauri stars in high-latitude molecular clouds» M. Kun, T. Prusti, S. Nikoli'c, L. E. B. Johansson, N. A. Walton; arXiv:astro-ph/0402353; DOI:10.1051/0004-6361:20034510
277«Historische Deep-Sky Kataloge» von Dr. Wolfgang Steinicke; klima-luft.de/steinicke (2021-02-17)
313«A New General Catalogue of Nebulae and Clusters of Stars, being the Catalogue of the late Sir John F.W. Herschel, Bart., revised, corrected, and enlarged» Dreyer, J. L. E. (1888); Memoirs of the Royal Astronomical Society. 49: 1–237; Bibcode:1888MmRAS..49....1D
314«Index Catalogue of Nebulæ found in the years 1888 to 1894, with Notes and Corrections to the New General Catalogue» Dreyer, J. L. E.; Memoirs of the Royal Astronomical Society, Vol. 51, p.185; 1895; Bibcode:1895MmRAS..51..185D
464«Catalogue of a second thousand of new nebulae and clusters of stars; with a few introductory remarks on the construction of the heavens» William Herschel, Philosophical Transactions of the Royal Society of London, 1 January 1789; DOI:10.1098/rstl.1789.0021