NGC 2237+, Rosettennebel

NGC 2237
NGC 2237: Rosettennebel; TEC 140 ED mit 0.9x Flattner auf einer AOK Herkules V12 Montierung, Canon 6D (nicht modifiziert); 45 x 10 min; Lü Stailas; © 9. 1. 2021 Stefan Berchten

Geschichte

Der offene Sternhaufen im Rosettennebel wurde erstmals am 17. Februar 1690 vom britischen Astronomen John Flamsteed aufgezeichnet. [277] Wilhelm Herschel katalogisierte ihn am 24. Januar 1784 als VII 2, wobei die Klasse VII für «ziemlich komprimierte Haufen von grossen oder kleinen Sternen» stand. Er beschrieb den Haufen wie folgt: «Eine wunderschöne Ansammlung verstreuter Sterne, hauptsächlich von 2 Arten. Die erste gross, die zweite in gewundenen Linien angeordnet. Enthält 12. Monoc.» [463] Dieser Sternhaufen wurde später als NGC 2244 in Dreyers «New General Catalogue of Nebulae and Clusters of Stars» aufgenommen. [313]

Am 4. März 1830 entdeckte Herschels Sohn John denselben Sternhaufen wieder und katalogisierte ihn als h 392 (GC 1420). Er beschrieb ihn als «Sterne der 8. Grösse in einem grossen, ziemlich hellen Haufen». [467] Seine Entdeckung erhielt später von Dreyer die Nummer NGC 2239. [313]

Am 28. Februar 1864 entdeckte der deutsche Astronom Albert Marth «kleine Sterne im Nebel». Er beobachtete in Malta mit dem 48-Zoll-Reflektor von William Lassell. Seine Entdeckung wurde später von John Herschel als GC 5361 und dann von Dreyer als NGC 2238 hinzugefügt. [196, 313]

NGC 2237
NGC 2237: Rosettennebel in Monoceros; 500 mm Cassegrain f=3625mm / f7.2; SBIG STL11K; 120+30+30+30 min LRGB; Berner Oberland; © 2011 Radek Chromik

Der amerikanische Astronom Lewis Swift benutzte 1865 den 16-Zoll-Refraktor am Warner Observatory und bemerkte einen «ziemlich hellen, sehr sehr großen diffusen» Nebel um den Sternhaufen. Seine Entdeckung wurde von Dreyer als NGC 2237 katalogisiert, mit der Bemerkung, dass es sich möglicherweise um dasselbe Objekt wie GC 5361 (NGC 2238) handelt. Am 27. Februar 1886 betrachtete Swift nochmals dieselbe Stelle und bemerkte einen weiteren «äusserst schwachen, großen, unregelmässig runden, äusserst schwierigen» Nebel, der dann von Dreyer als NGC 2246 hinzugefügt wurde. [196, 313]

Meist wird für den Rosettennebel die Bezeichnung NGC 2239 verwendet, was aber nicht korrekt ist. Anhand der Beschreibung von Dreyer geht hervor, dass NGC 2239 Herschels Sternhaufen ist und sich die Bezeichnungen NGC 2237, NGC 2238 und NGC 2246 auf den umgebenden Nebel beziehen.

Physikalische Eigenschaften

Der Rosettennebel ist eine H-II Region, ein Sternentstehungsgebiet mit Wolken aus Gas und Staub. Bei einer Entfernung von etwa 5000 bis 5200 Lichtjahren und einem Durchmesser von 130 Lichtjahren erscheint er relativ gross am Himmel, etwa 80 x 60 Bogenminuten. Die Masse des Nebels wird auf etwa 10'000 Sonnenmassen geschätzt. [196]

«Revised New General Catalogue and Index Catalogue», «Historically Corrected New General Catalogue», Dr. Wolfgang Steinicke, 2021 [277]
NameRADecTypBmagVmagDimDreyer BeschreibungIdentifikation
NGC 2237 06 30 54.6+05 02 52EN80.00 × 50.0pB, vvL, dif (? = 5361)w part of Rosette nebula
NGC 2238 06 30 40.3+05 00 47EN6.080.00 × 60.0S * in nebulosityLBN 948, knot in Rosette nebula
NGC 2239 06 32 19.0+04 51 24II3p5.34.824.00* 8 in L, P, B ClNGC 2244, OCL 515, in Rosette nebula
NGC 2244 06 32 19.0+04 51 24OCL (II3p)5.34.824.00Cl, beautiful, st sc (12 Monoc)NGC 2239, OCL 515, in Rosette nebula
NGC 2246 06 32 33.7+05 07 42ENeeF, L, irrR, e difficLBN 948, part of Rosette nebula

Auffindkarte

Der offene Sternhaufen NGC 2239 mit Rosettennebel darum befindet sich im Sternbild Einhorn (Monoceros), einem nebst Orion eher unscheinbaren Sternbild im Milchstrassenband. In klaren, dunklen Winternächten ist der Sternhaufen NGC 2239 von blossem Auge sichtbar, ansonsten helfen die beiden Sterne ε Monocerotis (4.4 mag) und 13 Monocerotis (4.51 mag) bei der Positionierung des Telrads.

Karte NGC 2237
Karte mithilfe von SkySafari 6 Pro und STScI Digitized Sky Survey erstellt. [149, 160]

Visuelle Beobachtung

400 mm Öffnung: Der riesige Nebel ist etwa doppelt so groß wie das Gesichtsfeld meines 21 mm Ethos Okulars (85x). Ohne Filter ist nur ein gräulicher Schleier um den offenen Sternhaufen zu erkennen. Mit O-III Filter tritt der Nebel kontrastreich hervor und man kann darin Strukturen erkennen. Ein schöner Anblick. — Taurus T400 f/4.5 Dobsonian, Bernd Nies, Glaubenberg Langis, 28. Februar 28, 2022

Quellenangaben

149SkySafari 6 Pro, Simulation Curriculum; skysafariastronomy.com
160The STScI Digitized Sky Survey; archive.stsci.edu/cgi-bin/dss_form
196Celestial Atlas by Curtney Seligman; cseligman.com/text/atlas.htm (2020-12-28)
277«Historische Deep-Sky Kataloge» von Dr. Wolfgang Steinicke; klima-luft.de/steinicke (2021-02-17)
313«A New General Catalogue of Nebulae and Clusters of Stars, being the Catalogue of the late Sir John F.W. Herschel, Bart., revised, corrected, and enlarged» Dreyer, J. L. E. (1888); Memoirs of the Royal Astronomical Society. 49: 1–237; Bibcode:1888MmRAS..49....1D
463«Catalogue of one thousand new nebulae and clusters of stars» William Herschel, Philosophical Transactions of the Royal Society of London, 1 January 1786; DOI:10.1098/rstl.1786.0027
467«Catalogue of nebulae and clusters of stars» John Frederick William Herschel, Philosophical Transactions of the Royal Society of London, 1 January 1864; DOI:10.1098/rstl.1864.0001