NGC 6888, Gipfeli-Nebel

Objektbeschreibung

NGC 6888
NGC 6888: 500 mm Cassegrain 3625 mm f/7.2; SBIG STL11K; 280+120+120+120 min LRGB; Sternwarte Lischerli, Ottenleuebad, Berner Oberland; © 2017 Radek Chromik

Der Emissionsnebel NGC 6888 ähnelt dem Aussehen nach etwas dem Cirrusnebel, doch handelt es sich hierbei nicht um den Überrest einer Supernova. NGC 6888 gehört zur Klasse der Wolf-Rayet-Nebel, ein Nebel verursacht durch einen gleichnamigen Stern. Nebenbei handelt es sich bei diesem Exemplar um einen der hellsten W-R-Nebel.

WR-Sterne sind massereich und leuchtkräftig und haben sich vermutlich aus den ebenfalls sehr leuchtkräftigen O-Sternen entwickelt. Es gibt zwei Gruppen von W-R-Sternen: solche, in deren Spektren Stickstoff-Linien (WN-Sterne) und solche, in deren Spektren Kohlenstoff-Linien (WC-Sterne) dominieren. Ein weiteres Merkmal von W-R-Sternen sind ihre extrem starken Sternwinde. Die von ihnen in den Raum abgeblasene Materie wird von ihrem energiereichen Licht zum Leuchten angeregt und erscheint uns in einigen Fällen als Emissionsnebel.

NGC 6888
CCD-Mosaik des Croissants. Sternwarte Bülach © 1996 Stefan Meister

Der Zentralstern von NGC 6888 trägt die Bezeichnung HD 192163, ein Prototyp der WN6-Sterne mit einer sehr hohen Effektivtemperatur von 55'000 Kelvin. Aus diesem Grund enthält sein Licht sehr viel energiereiches UV und kann somit zweifach ionisierten Sauerstoff [OIII] sehr stark anregen. Obwohl der Sauerstoff in NGC 6888, verglichen mit der Elementhäufigkeit der Sonne und im interstellaren Gas, um einen Faktor vier unterhäufig ist, sind die Emissionslinien des zweifach ionisierten Sauerstoffs sehr intensiv.

Wegen des filamentartigen Aussehens von NGC 6888 und der ungewöhnlichen spektralen Eigenschaften war er lange Zeit für einen Supernovaüberrest gehalten worden, doch man fand keine Post-Supernova (Pulsar) in seinem Zentrum sondern eben einen Wolf-Rayet-Stern.

NGC 6888 erscheint auf langbelichteten Fotoaufnahmen als eine geschlossene Nebelblase inmitten der Nebelfelder von Sharpless 108, südlich von gamma Cygni. Da visuell besonders ein helles Filament am nördlichen Rand dieser Blase auffällt, erhielt NGC 6888 den Beinamen Crescent Nebula, was zu deutsch entweder eine Mondsichel oder ein halbrundes Frühstücksgebäck heissen mag. [72, 126]

— 1996, Bernd Nies

«The Complete New General Catalogue and Index Catalogue of Nebulae and Star Clusters» von J.L.E. Dreyer, nachbearbeitet 1988 von Roger W. Sinnott [142]. Koordinaten in B2000.0.
Name Typ RA [hm] Dec [dm] Const ⌀ ['] vMag Beschreibung
NGC 6888Nb20 12.0+38 21Cyg20.F, vL, vmE, ** att

Wie findet man das Gipfeli?

NGC 6888 befindet sich im Sternbild Cygnus (Schwan) zwischen den Sternen Sadr (γ Cygni) und η Cygni. Mit Vorteil wird ein Okular mit grossem Gesichtsfeld gewählt. Ein O-III Filter ist bei einem nicht ganz dunklen Himmel erforderlich. Dann wird das Teleskop mit Hilfe des Telrad-Finders gemäss nebenstehender Karte ausgerichtet. Der Nebel liegt bei einem markanten "W" aus fünf helleren Sternen 7. bis 8. Grösse. In den Monaten April bis November ist das Sternbild am besten sichtbar.

Auffindkarte
Karte mithilfe von SkySafari 6 Pro und STScI Digitized Sky Survey erstellt. [149, 160]

Visuelle Beobachtung

NGC 6888
Zeichnung: 300mm f/4 Newton, 80x, mit O-III Filter (8.9.96, Bernd Nies)

300mm Öffnung: Bei nur mässig dunklem Himmel ohne O-III Filter ist bei NGC 6888 gerade mal der nördliche, hellste Bereich zu erkennen, da der Nebel dann nicht viel heller als der Himmelshintergrund erscheint. Mit Filter gibt er dann schön seine 'Gipfeli'-Form preis. Der Nebel erscheint schwächer als der bekannte Cirrusnebel im gleichen Sternbild. In einer dunklen, klaren Nacht im Gebirge, fernab jeglicher Zivilisation und Lichtverschmutzung ist NGC 6888 auch ohne Filter gut zu erkennen.

Die nebenstehende Abbildung wurde unter einem dunklen Himmel von mindestens 6.5 mag visueller Grenzgrösse angefertigt. Der Kontrast ist etwas übertrieben, um die Struktur deutlicher hervorzuheben. Die Sterne stammen von einem Ausdruck mit TheSky. Die korrekte Anzahl und Position der Sterne wurde nicht nachgeführt.

— 1996, Philipp Reza Heck

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