NGC 3242, Jupiters Geist

Objektbeschreibung

NGC 3242
CCD-Aufnahme mit dem 2.1m Reflektor des Kitt Peak National Observatory

NGC 3242 ist einer der hellsten planetarischen Nebel. Den Übernamen Ghost of Jupiter hat er erhalten, da die 30 bis 40 Bogensekunden große, nicht ganz kreisförmige Scheibe in kleinen Teleskopen einem geisterhaften Abbild Jupiters gleicht.

Bereits in mittleren Amateurteleskopen ist eine elliptische Ringstruktur erkennbar, umgeben von einem schwächeren Halo (siehe Zeichnung unten). Dafür spricht auch die Klassifikation nach Vorontsov-Velyaminov (IV+IIIb = Ringstruktur + unregelmäßige Scheibe mit Spuren einer Ringstruktur).

Beim Halo handelt es sich um die abgestoßene Hülle des Roten Riesens, dem Vorgängerstern, welche durch die starke UV-Strahlung des Zentralsterns zum Leuchten angeregt wird. Das Gas erscheint uns visuell bläulich-grün, da die Hauptemission von zweifach ionisiertem Sauerstoff (O III) kommt, dessen stärkste Emissionslinie bei 5007 Angström liegt. Für die elliptische Ringstruktur werden zwei Ursachen verantwortlich gemacht:

NGC 3242
Kompositbild des HST, Bruce Balick, Univ. of Washington.
  1. Die Wechselwirkung des Winds des Zentralsterns mit dem Sternwind des Vorgängers: Wenn der schnelle Wind des Zentralsterns auf den langsameren des Vorgängersterns trifft, entsteht eine Schockfront. Sich dort befindende Materie wird angeregt und emittiert Licht. Das Gebiet erscheint uns deshalb heller als die Umgebung.
  2. Modellrechnungen ergaben, dass die auffällige Achsensymmetrie der Ringstruktur vor etwa 4000 Jahren von einem eng um den Zentralstern laufenden Braunen Zwerg verursacht wurde.

Neuere Beobachtungen mit dem Hubble Weltraumteleskop (HST) zeigen im Nebel extrem feine Strukturen, die mit bisherigen Modellen noch nicht gut erklärt werden können. Solche Strukturen wurden auch in anderen Planetarischen Nebeln wie zum Beispiel in NGC 7662 beobachtet.

— 1996, Philipp Reza Heck

Daten für NGC 3242, zusammengefasst aus unterschiedlichen Katalogen.
BezeichnungenARO 4, ESO 568-05, Ghost of Jupiter, NGC 3242, PK 261+32 1, PNG 261.0+32.0, VV 57, VV' 98
RA / Dec (B2000.0)10h 24.8m / -18° 38' [142]
SternbildHya [142]
Objekt KlassePl [142]
Abmessungen 20.8' [142], 25." (optisch) [141]
Scheinbare Magnitude9. mag p [142]
Entfernung 0.76 kpc [141]
Radialgeschwindigkeit+4.6 km/s ± 0.6 km/s [141]
Expansionsgeschwindigkeit 20. km/s (O-III), 27.5 km/s (N-II) [141]
Zentralstern BezeichnungenAG82 127, BD -17 3140, GC 14298, GCRV 6542, HD 90255, NSV 4848, PLX 2442, SAO 155965, TD1 14821 [141]
Zentralstern Magnitude12.02 mag (B filter), 12.31 mag (V filter) [141]
Zentralstern SpektraltypO(H) [141]
Beschreibung (Dreyer)! PN , vB, lE 147deg , 45" d, blue [142]
EntdeckerHERSCHEL 1785 [141]

Wie findet man den Geist?

Um Jupiters Geist zu finden, geht man am besten vom Stern μ Hydrae aus, denn der PN liegt 1.8 Grad in südlicher Richtung davon. Mit einer scheinbaren Helligkeit von 3.8 mag ist dieser rote Riesenstern von bloßem Auge sichtbar.

Ist der Himmel beispielsweise durch den Mond stark aufgehellt, kann der Stern μ Hydrae durch star hopping aufgefunden werden: Dabei beginnt man beim 2.0 mag hellen Roten Riesen Alphard (α Hydrae) und folgt der Zickzacklinie des Sternbilds Hydra. Die Ecksterne sind alles Rote Riesen!

Wenn μ Hydrae im Gesichtsfeld des Okulars zentriert ist, genügt es praktisch in Deklination 1.8 Grad nach Süden zu schwenken. Wenn Sie zum Aufsuchen ein schwach vergrößerndes Okular mit weitem Gesichtsfeld verwenden, sollte die kleine, grünliche Scheibe von NGC 3242 bereits sichtbar sein. Ansonsten hilft das Inset mit dem eingezeichneten Sternmuster. Die Pfeilspitze bildet der 7.7 mag helle Planetarische Nebel.

— 1996, Philipp Reza Heck

Aufsuchungskarte
Karte mit Hilfe von TheSky 2.11 [129] erstellt.

Anmerkung: Aufgrund der hohen Kompaktheit und Helligkeit wurde NGC 3242 irrtümlicherweise in den Sternkatalog des Smithsonian Astrophysical Observatory (SAO 155965) aufgenommen. Bei Computerprogrammen, die den SAO-Katalog verwenden, erscheint deshalb an der gleichen Stelle wie der PN ein 7.0 mag heller Stern. Im Programm TheSky 2.11 wird die scheinbare Ausdehnung mit 20 Bogenminuten statt 20 Bogensekunden angegeben.

Beobachtung bei 200mm Öffnung

Zeichnung: 200mm SCT, 290x (Philipp Reza Heck)

Mit einer Deklination von -18.6 Grad steht Jupiters Geist relativ tief. Um ihn unter optimalen Bedingungen zu beobachten, sollte man den Meridiandurchgang abwarten.

Die Flächenhelligkeit von NGC 3242 ist sehr groß. Es lohnt sich deshalb über 200fach zu vergrößern. Der Anblick im 20 cm-Teleskop bei 290-fach (7mm Nagler) ist atemberaubend. Die in der Beschreibung erwähnte an ein menschliches Auge erinnernde elliptische Ringstruktur ist im 20 cm-Reflektor gut erkennbar. Die Ellipse erscheint am SE-Ende heller (siehe Zeichnung des Autors). Wie bei der Planetenbeobachtung ist es auch beim Geist von Jupiter von Vorteil, möglichst lange zu beobachten. Die Chance, während kurzer Augenblicke extremer Luftruhe feine Details zu erkennen, steigt mit der Beobachtungszeit. NGC 3242 ist meines Erachtens nicht nur einer der interessantesten planetarischen Nebel, sondern auch einer, der am leichtesten zu beobachtend ist.

— 1996, Philipp Reza Heck

Beobachtung bei 500mm Öffnung

CCD-Aufnahme
CCD-Aufnahme: 500mm Newton, Sternwarte Bülach (8.2.97 Stefan Meister)

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