Sternhaufen NGC 1502 + Kembles Kaskade

NGC 1502
NGC 1502: Offener Sternhaufen am südöstlichen Ende der Sternenkette «Kembles Kaskade». Ausschnitt aus dem DSS2. Hier könnte Dein Foto stehen. [147]

Geschichte

Der offene Sternhaufen wurde am 3. November 1787 von Wilhelm Herschel mit seinem 18.7 Zoll Spiegelteleskop entdeckt und als VII 47 katalogisiert. Er notierte: «Ein Sternenhaufen, ziemlich reich und beträchtlich komprimiert, wenig ausgedehnt 3 oder 4' Durchmesser, von unregelmäßiger Gestalt.» [464] John L. E. Dreyer katalogisierte 1888 den Sternhaufen schließlich als NGC 1502. [313]

Die 2° lange Sternenkette «Kembles Kaskade» erhielt ihren Namen vom amerikanischen Amateurastronomen Walter Scott Houston. Er war von 1946 bis 1993 Autor der Kolumne «Deep-Sky Wonders» in der Zeitschrift «Sky & Telescope» und erhielt einen Brief vom kanadischen Franziskanermönchen Lucian J. Kemble, in welchem er berichtete, wie er mit einem 7x35 Fernglas eine «von Nordwesten auf den offenen Sternhaufen schöne Kaskade schwacher Sterne» entdeckte. Housten war davon so beindruckt, dass er die Sternenkette 1980 in seiner Kolumne beschrieb und ihm zu Ehren «Kembles Kaskade» taufte. [576]

Physikalische Eigenschaften

NGC 1502 ist ein mäßig geröteter offener Sternhaufen, der sich am Rande der Cam OB1-Assoziation und wahrscheinlich innerhalb des Orionsporns befindet, wobei die veröffentlichten Entfernungsschätzungen zwischen 0.7 und 1.5 kpc schwanken. Es handelt sich um einen sehr jungen Haufen mit einer fast vertikalen Hauptreihe. Er könnte ein Beispiel für einen sich auflösenden oder expandierenden instabilen Haufen sein, mit einer großen Größe und einem kleinen Kern. Der Haufen enthält den Bedeckungsveränderlichen SZ Cam (HD 25638), der eine der Komponenten des visuellen Doppelsterns ist, der die hellsten Mitglieder des Haufens darstellt. [577]

Kembles Kaskade ist eine scheinbare Linie von mehr als 20 farbigen Sternen von der fünften bis zur zehnten Größenklasse, welche sich über eine Winkeldistanz von etwa 2° in Richtung Nordwesten erstreckt.

Revised+Historic NGC/IC Version 22/9, © 2022 Dr. Wolfgang Steinicke [277]
Bezeichnung NGC 1502
Typ OCL (II3p)
Rektaszension (J2000.0) 04h 07m 49.2s
Deklination (J2000.0) +62° 19' 54"
Durchmesser 20 arcmin
Visuelle Helligkeit 6.9 mag
Metrische Entfernung 0.821 kpc
Identifikation, Anmerkungen WH VII 47; GC 802; OCL 383

Auffindkarte

Der offene Sternhaufen NGC 1502 liegt am südöstlichen Ende der 2° langen Sternenkette «Kembles Kaskade» im Sternbild Camelopardalis. Die beste Beobachtungszeit ist in den Monaten September bis März, wenn das zirkumpolare Sternbild am höchsten am Himmel steht.

Auffindkarte Sternhaufen NGC 1502 + Kembles Kaskade
Sternhaufen NGC 1502 + Kembles Kaskade im Sternbild Camelopardalis. Karte mithilfe von SkySafari 6 Pro und STScI Digitized Sky Survey erstellt. Grenzgrößen: Sternbildkarte ~6.5 mag, DSS2-Ausschnitte ~20 mag. [149, 160]

Objekte innerhalb eines Radius von 15°

Quellenangaben

  • [147] Aladin Lite; aladin.unistra.fr/AladinLite
  • [149] SkySafari 6 Pro, Simulation Curriculum; skysafariastronomy.com
  • [160] The STScI Digitized Sky Survey; archive.stsci.edu/cgi-bin/dss_form
  • [277] «Historische Deep-Sky Kataloge» von Dr. Wolfgang Steinicke; klima-luft.de/steinicke (2021-02-17)
  • [313] «A New General Catalogue of Nebulae and Clusters of Stars, being the Catalogue of the late Sir John F.W. Herschel, Bart., revised, corrected, and enlarged» Dreyer, J. L. E. (1888); Memoirs of the Royal Astronomical Society. 49: 1–237; Bibcode:1888MmRAS..49....1D
  • [464] «Catalogue of a second thousand of new nebulae and clusters of stars; with a few introductory remarks on the construction of the heavens» William Herschel, Philosophical Transactions of the Royal Society of London, 1 January 1789; DOI:10.1098/rstl.1789.0021
  • [576] RASC Calgary Centre - Credits and Special Mentions; calgary.rasc.ca/credits.htm (2023-01-08)
  • [577] «Interstellar polarization and extinction towards the young open cluster NGC 1502» G. A. Topasna, N. T. Kaltcheva and E. Paunzen; A&A, Volume 615, July 2018; DOI:10.1051/0004-6361/201731903