NGC 6905, Cocktail

Objektbeschreibung

NGC 6905 Cocktail
NGC 6905 im Cocktailglas. Norden ist links. Ausschnitt aus PanSTARRS DR1 color [147]

Der Planetarische Nebel (PN) NGC 6905 stellt ein schönes Beispiel eines wenig bekannten, jedoch hellen und ästhetischen PN's dar. Der vom Zentralstern (ZS) ausgehende Wind kollidiert mit dem sich nur langsam ausdehnenden Halo, welches während des Roten-Riesen-Stadiums des Sterns entstand. Die Kollisionsenergie ist genug gross um die Materie zum Leuchten anzuregen (Schockionisation). Da der ZS von einem äquatorialen Gas- und Staubring umgeben ist, kann der Sternwind nur bei höheren Breiten gegen die Pole hin entweichen. Es kommt zu einem kollimierten Sternwind. Dadurch kommt auch die Form des Nebels zustande (siehe Falschfarbenbild links). Im E und W ist der Nebel mit einem hellen Rand begrenzt, im N und S hingegen ist die Abgrenzung nicht so deutlich. Spektroskopische Geschwindigkeitsmessungen ergaben, dass gerade hier der Sternwind mit hoher Geschwindigkeit austritt. Heute kann man das Aussehen des Nebels mit Modellen, welche die bereits erwähnte Schockionisation einbeziehen, sehr gut erklären. Das bei PN's übliche morphologische Klassifikationsschema von Voronstov-Velyaminov gibt bei NGC 6905 den Typ III+III an; also eine Scheibe mit unregelmässiger Helligkeitsverteilung mit zwei Bereichen. Dies können wir gut bestätigen, wenn wir die CCD-Falschfarbenaufnahme oben links betrachten. Astronomen vom Astrophysikalischen Institut der Kanarischen Inseln haben auch Ansae beobachtet. Auf unser CCD-Aufnahme kann man sie aber nur vermuten.

NGC 6905
Falschfarbenausschnitt aus dem CCD-Bild der Stw. Bülach (SM)

Beim Zentralstern handelt es sich um einen O VI-Stern. Dies sind Sterne im Vorstadium zu einem Weissen Zwerg. Sie haben eine ausserordentlich heisse Oberfläche und geben sich durch besonders starke Emissionslinien dreifach ionisierten Sauerstoffs (O VI) zu erkennen. Diese namengebenden O VI-Linien befinden sich bei 3811 und 3834 Ångström. Fotometrische Messungen des ZS ergaben Helligkeitsschwankungen um seinen Mittelwert von 15.5 vmag herum. Dies erklärt dann auch die Sichtbarkeit des Sterns im 20cm-Teleskop. Die Veränderlichkeit ist auf Pulsationen des Sterns zurückzuführen.

— 1997, Philipp Reza Heck

Daten für NGC 6905, zusammengefasst aus unterschiedlichen Katalogen.
BezeichnungenARO 75, He 2- 466, NGC 6905, PK 61-09 1, PNG 061.4-09.5, VV 257, VV' 535
RA / Dec (B2000.0)20h 22.4m / +20° 07' [142]
SternbildDel [142]
Objekt KlassePl [142]
Abmessungen 1.7' [142], 40." (optisch) [141]
Scheinbare Magnitude12. mag p [142]
Entfernung 1.0 kpc [141]
Radialgeschwindigkeit-8.4 km/s ± 1.7 km/s [141]
Expansionsgeschwindigkeit 43.5 km/s (O-III) [141]
Zentralstern BezeichnungenAG82 408, CSI +19-20201 0, HD 193949, PLX 4855 [141]
Zentralstern Magnitude16.3 mag (B filter), 15.7 mag (V filter) [141]
Zentralstern SpektraltypWC-OVI, WC 3 [141]
Beschreibung (Dreyer)!!, PN , B, pS, R, 4 S st nr [142]
EntdeckerHERSCHEL 1831 [141]

Wo findet man einen Cocktail am Himmel?

Auffindkarte
Auffindkarte mit Hilfe von TheSky 2.11 [129] und GIMP [132] erstellt.

Der Nebel lässt sich relativ bequem auffinden. Man stellt dazu den Stern an der Spitze des Sternbilds Pfeil (Sagitta) ein: η Sge mit 5.1 v-mag lässt sich bereits im schwachen Sucher sehen und ist meistens sogar von blossem Auge sichtbar und somit auch mit einem Telrad-Finder einzustellen! Wenn Sie η Sge am besten in einem Weitwinkelokular zentriert haben, fixieren Sie die Deklinationsachse und schwenken rund 4 Grad und 3 Bogenminuten nach Osten.

Der PN scheint in einer Kathete eines gleichschenkligen Dreiecks 10-12 mag heller Sternchen zu liegen. Dieses Dreieck stellt den oberen Teil eines Cocktail-Glases dar (siehe Skizze). Das ganze sieht dann aus wie ein Cocktail der mit einer Zitronenscheibe (der PN selbst) oder einer Eiskugel serviert wird.

Anmerkung: Aufgrund eines Fehlers in den Objektkatalogen, welche von The_Sky 2.11 benutzt werden, stimmt die Position des PN's nicht ganz mit der CCD-Aufnahme überein, sondern ist um etwa 38 Bogensekunden nach Norden versetzt. Bei der Auffindkarte wurde dieser Fehler behoben. Desweiteren ist im GSC an der Position von NGC 6905 ein 7.6 mag heller Stern mit der Bezeichnung GSC 1639:1907 verzeichnet. Vermutlich ist dies ein Fehler, denn weder der PN noch der Zentralstern sind derart hell.

— 1997, Bernd Nies

Beobachtung bei 200 mm Öffnung

NGC 6905 Zeichnung
Zeichnung: 200mm SCT, 226fach (Philipp Reza Heck)

Wenn das Cocktail einmal gefunden und zentriert ist, sollte man eine Vergrösserung von mindestens 200fach verwenden. Wenn es das Seeing zulässt, lohnt es sich sogar über 300fach zu gehen. Man erkennt dann die oben beschriebene Struktur. Im E und W einen helleren, gut definierten Rand, im N und S hingegen einen eher unscharfen, diffusen Übergang in den Himmelshintergrund. Auf der Zeichnung rechts ist der Kontrast etwas überhöht dargestellt, um die schachen Details besser hervorzuheben. Ein Nebelfilter (OIII, UHC oder H-beta) hat uns bei diesem PN keine Verbesserung des Kontrasts gebracht.

Der Zentralstern war zu unserem Erstaunen bereits im 200mm-Teleskop mit indirektem Sehen deutlich sichtbar. Zwar wird er mit v-mag 15.5 angegeben, kann aber wegen seiner Variabilität durchaus einiges heller sein!

— 1997, Philipp Reza Heck

Beobachtung bei 500 mm Öffnung

NGC 6905 CCD
CCD-Aufnahme: SBIG ST-6, 500/2500mm-Newton, 6x30s (Stefan Meister)

Die für einen PN typische Form kommt bei 500mm Öffnung gut zur Geltung. Auf der CCD-Aufnahme erkennt man deutlich die Gebiete höherer Dichte in der W- und E- Peripherie des Nebels, während im N und S der schnelle Sternwind fast ungehindert in den interstellaren Raum entweichen kann.

— 1997, Stefan Meister

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