NGC 1501, Austernnebel, Oyster Nebula

Objektbeschreibung

NGC 1501
NGC 1501: Planetarischer Austernnebel in Camelopardalis; 500 mm Cassegrain 3625 mm f/7.2; SBIG STL11K; 20+10+10+10 min LRGB; Sternwarte Lischerli, Ottenleuebad, Berner Oberland; © 2011 Radek Chromik

Der Planetarische Nebel NGC 1501 wird im Klassifikationsschema von Vorontsov-Velyaminov als unregelmässige Scheibe (Typ III) angegeben. Die unregelmässige 'Textur' ist besonders auf fotografischen und CCD-Aufnahmen markant. Wenn man den Nebel mit etwas Irdischem vergleichen würde, kommt er wohl einer Auster am ähnlichsten! Der Zentralstern des Nebels gehört zur Klasse der Wolf-Rayet-Sterne. Dies sind Sterne mit einer sehr heissen Oberfläche, von denen ein besonders starker Wind ausgeht. Sie zeichnen sich also durch einen äusserst hohen Massenverlust aus. [26] Die Entfernung von NGC 1501 wird mit etwa 4000 Lichtjahren angegeben. Der Durchmesser der Gashülle beträgt etwa ein Lichtjahr. [158]

NGC 1501
Aufnahme von NGC 1501 des Hubble Weltraumteleskopes [224]

Beim Zentralstern handelt es sich um einen unregelmässig Veränderlichen mit einer winzigen Amplitude von 0.1 mag. Roger N. Clark gibt in seinem ausgezeichneten Buch Visual Astronomy of the Deep-Sky [26] die Helligkeit des Zentralsterns mit 13.5 mag an. Im Deep Sky Field Guide to Uranometria [22] findet sich jedoch ein Wert von 14.45 mag.

— 1996, Philipp Reza Heck

Daten für NGC 1501, zusammengefasst aus unterschiedlichen Katalogen.
BezeichnungenARO 44, NGC 1501, PK 144+06 1, PN G144.5+06.5, VV 16, VV' 22
RA / Dec (B2000.0)04h 07.0m / +60° 55' [142]
SternbildCam [142]
Objekt KlassePl [142]
Abmessungen 0.9' [142], 52." (optisch) [141]
Scheinbare Magnitude13. mag p [142]
Entfernung 2.0 kpc : [141]
Radialgeschwindigkeit+36.2 km/s ± 1.4 km/s [141]
Expansionsgeschwindigkeit 37.0 km/s (O-III) [141]
Z-Stern BezeichnungenAG82 26, CSI +60 -04027, GCRV 2334, PLX 894 [141]
Z-Stern Magnitude14.34 mag (U filter), 15.17 mag (B filter), 14.39 mag (V filter) [141]
Z-Stern SpektraltypWC 6-7,OVI, WC early [141]
Beschreibung (Dreyer)PN , pB, pS, vlE, 1' diam [142]
EntdeckerHERSCHEL 1787 [141]

Wie findet man NGC 1501?

Der planetarische Nebel NGC 1501 befindet sich im unscheinbaren Sternbild Giraffe (Camelopardalis), welches sich zwischen den bekannteren Sternbildern Cassiopeia und Fuhrmann (Auriga) befindet. Um ihn zu finden, gibt es zwei einfache Möglichkeiten:

Die erste Methode ist praktisch für Dobsonians oder Fernrohre mit Telrad-Finder: Das Fernrohr wird mit Hilfe des Telrad-Finders analog unten stehender Karte ausgerichtet. Der PN befindet sich etwa in der Mitte zwischen den Sternen. β Camelopardalis (4.0 mag) und CS Camelopardalis (4.3 mag).

Auffindkarte 1
Karte mit Hilfe von SkySafari 6 Pro [149] und STScI Digitized Sky Survey [160] erstellt.

Die zweite Methode funktioniert am besten bei äquatorial montierten Teleskopen mit Sucherfernrohr: Der kleine, offene 5.7 mag-Sternhaufen NGC 1502 liegt etwas nördlich vom südlichen Ende einer sehr markanten, etwa 2.5° langen, geraden Linie aus vielen Sternchen von 8. bis 7. Grössenklasse. Sie verläuft schräg von Südost bis Nordwest. Der Abschied von diesem funkelnden Kleinod fällt schwer. Das Teleskop wird - bestückt mit einem Weitwinkelokular - 1.5 Grad (drei Vollmonddurchmesser) in Deklination nach Süden bewegt, bis ein schwaches, verdächtiges Nebelfleckchen im Blickfeld erscheint. That's it!

Auffindkarte 2
Karte mithilfe von SkySafari 6 Pro und STScI Digitized Sky Survey erstellt. [149, 160]

Visuelle Beobachtung

NGC 1501
NGC 1501: Zeichnung; 200mm SCT, 226x; © 1996 Philipp Reza Heck

200 mm Öffnung: Wie bei fast allen PN ist auch hier eine hohe Vergrösserung (über 200fach) notwendig, um auf feine Einzelheiten stossen zu können. Als erstes fällt die leicht elliptische Form des Nebels auf. Im 200mm-Teleskop (f/10) und bei guter Dunkeladaptation erkennt man deutlich, dass der Innenbereich der Scheibe eine unregelmässige Helligkeitsverteilung aufweist. Schwächere Stellen südöstlich des Zentrums sind besonders markant.

Der Zentralstern ist im 8-Zöller mit indirektem Sehen eindeutig sichtbar. Abgesehen von gutem Seeing muss man Glück haben, dass sich der Stern im Helligkeitsmaximum befindet. Die geringe Helligkeitsschwankung des Zentralsterns wäre im Normalfall von blossem Auge nicht wahrnehmbar. Da sich jedoch die Helligkeit des Sterns beim 8-Zöller an der visuellen Wahrnehmungsgrenze befindet, ist diese kleine Amplitude trotzdem von Bedeuteung.

— 1996, Philipp Reza Heck

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