Galaxienpaar Messier 89 und Messier 90

Objektbeschreibung

M 89 HST
Messier 89: Aufnahme des Hubble Weltraumteleskops [215]

Die Galaxie M 89 wurde am 18. März 1781 von Charles Messier entdeckt. Er schrieb zu M 89: «Nebel ohne Stern, in der Jungfrau, etwas entfernt und auf derselben Parallelen wie der Nebel als Nr. 87 rapportiert. Das Licht ist sehr schwach und rar, er ist nur mit Schwierigkeiten wahrzunehmen.» [281]

M 89 zählt etwa 100 Milliarden Sterne und ist eine elliptische Galaxie im Virgo-Haufen etwa 55 Millionen Lichtjahre von uns entfernt. Elliptische Galaxien haben für gewöhnlich die Form eines langezogenen Ellipsoids, doch M 89 erscheint uns völlig rund. Vermutlich zeigt ihre lange Achse in unsere Richtung. M 89 ist etwas kleiner als die Milchstrasse, weist jedoch einige interessante Merkmale auf. Eine Struktur aus Gas und Staub erstreckt sich bis zu 150'000 Lichtjahre vom Zentrum der Galaxie entfernt, welchem sich ein supermassereiches Schwarzes Loch befindet. Jets mit erhitzten Teilchen reichen bis zu 100'000 Lichtjahre aus der Galaxie heraus, was darauf hindeutet, dass M 89 einst weitaus aktiver gewesen sein könnte als heute. Vielleicht war sie einaktiver Quasar oder eine Radiogalaxie. Sie ist auch von einem ausgedehnten System von Schalen und Fahnen umgeben, die möglicherweise durch frühere Fusionen mit kleineren Galaxien verursacht wurden. M 89 wie wir sie heute kennen, könnte möglicherweise erst in der relativ jüngeren Vergangenheit entstanden sein. [215]

M 90 + IC 3583
Messier 90 mit IC 3583: 500 mm Cassegrain 3625 mm f/7.2; SBIG STL11K; 120+40+40+40 min LRGB; Sternwarte Lischerli, Ottenleuebad, Berner Oberland; © 2011 Radek Chromik

In derselben Nacht entdeckte Messier auch M 90 und schrieb über sie sinngemäss dasselbe wie über M 89: «Nebel ohne Stern, in der Jungfrau: sein Licht etwa gleich schwach wie die vorherige Nr. 89.» [281]

M 90 ist eine schöne Spiralgalaxie und etwa 59 Millionen Jahre von uns entfernt. Sie enthält etwa eine Billion (1012) Sterne und 1000 Kugelsternhaufen. Mit Ausnahme der inneren Region bilden sich in den Armen wenig neue Sterne. Vergangene Interaktionen mit benachbarten Galaxien haben vermutlich Gas und Material entnommen, welche M 90 für die Entstehung neuer Sterne in den Aussenregionen bräuchte. In der Zukunft könnte sich M 90 zu einer linsenförmigen Galaxie weiterentwickeln. Im Unterschied zu den meisten anderen Galaxien bewegt sich M 90 nicht von uns weg, sondern kommt auf uns zu. Sie scheint um das kolossale Massenzentrum des Virgo-Clusters zu kreisen. Dieser entfernt sich zwar von uns, doch M 90 bewegt sich schneller. [215]

M 90 ist zusammen mit der kleinen irregulären Begleitgalaxie IC 3583 in Halton Arps 1966 erschienenen «Atlas of Peculiar Galaxies» als Arp 76 aufgeführt. IC 3583 wurde am 29. April 1892 vom britischen Astronomen Isaac Roberts entdeckt. Messungen zufolge befindet sie sich in einer Distanz von 8.2 bis 17 Mpc (26 bis 55 Millionen Lichtjahre) und liegt somit einiges näher als M 90. [145, 196]

— 2. 3. 2021, Bernd Nies

M 90 HST
Messier 90: Aufnahme des Hubble Weltraumteleskops [215]
M 90 + IC 3583 SDSS9
IC 3583: Aufnahme mit dem Hubble Weltraumteleskop [290]
«Catalogue of Principal Galaxies (PGC)», Paturel et al. 1989 [144] Koordinaten in J2000.0; HRV = Heliozentrische Radialgeschwindigkeit; PA = Positionswinkel
NamenRA
[hms]
Dec
[dms]
Morph
Typ
Dim
[']
Btot
[mag]
HRV
[km/s]
PA
[°]
NGC 453112 34 16.1+13 04 34LB3.1 x 2.012.6189 155
IC 354012 35 27.2+12 45 00L.6 x .414.6
M 89, NGC 455212 35 39.9+12 33 25E5.3 x 4.810.9311
IC 358312 36 43.8+13 15 31IB M2.2 x 1.113.91116 0
M 90, NGC 456912 36 50.0+13 09 48SB M9.9 x 4.410.2-236 23
IC 358612 36 54.2+12 31 30L1.1 x 1.014.6

Auffindkarte

Die Galaxiengruppe befindet sich im Sternbild Virgo (Jungfrau) etwa auf der Linie zwischen den beiden Sternen Vindemiatrix (ε Virginis) und Denebola (β Leonis). Die beste Beobachtungszeit ist Februar bis Juni.

Karte
Karte mit Hilfe von SkySafari 6 Pro [149] und STScI Digitized Sky Survey [160] erstellt.

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