Walgalaxie mit Hockeyschläger

Sieht aus wie ein Weitwinkel-Panorama unserer eigenen Milchstrasse, ist aber die Galaxie NGC 4631, aufgenommen 2011 mit dem Hubble Weltraumteleskop [198]

Walgalaxie NGC 4631 + NGC 4627

NGC 4631
NGC 4631 mit Begleitgalaxie NGC 4627: 500 mm Cassegrain 5800 mm f/11.4; SBIG STL11K; 70+10+10+10 min LRGB; Sternwarte Lischerli, Ottenleuebad, Berner Oberland; © 2005 Radek Chromik

Die Galaxie NGC 4631 hat wegen ihrer leicht asymmetrischen Form den Spitznamen "Walgalaxie" erhalten. Tatsächlich sieht sie auf Abb. 2 wie ein Buckelwal aus, der nach oben schwimmt. Man glaubt die Flipper (Pectoralflosse, Brustflosse) und Fluke (Schwanzflosse) zu erkennen. Das intergalaktische Säugetier wurde erstmals von William Herschel am 20. März 1787 gesichtet. Es handelt sich um eine Spiralgalaxie, auf die wir genau auf die Seitenkante blicken. Entfernungangaben variiern von 18 bis 30 Millionen Lichtjahre. Nimmt man eine Entfernung von 25 Millionen Lichtjahren an, so ergibt sich ein Durchmesser der Galaxie von etwa 120'000 Lichtjahren. Die Galaxie steht in gravitativer Wechselwirkung zur benachbarten elliptischen Zwerggalaxie NGC 4627 und der weniger als 500'000 Lichtjahren entfernten Galaxie NGC 4656, welche von uns aus knapp ein halbes Grad in südöstlicher Richtung gesehen werden kann. [196]

Orionnebel M 42
Galaxien NGC 4656/7 + 4631/27: 10" Meade Schmidt-Newton, Canon EOS 20Da, 100 min, ISO 1600, Oberes Schlierental, Obwalden, © 2007 Eduard von Bergen

Die kleine Galaxie NGC 4627 wurde am 20. März 1787 vom deutsch-britischen Astronomen Wilhelm Herschel entdeckt. Sie ist eine elliptische Zwerggalaxie und ein Begleiter von NGC 4631. Beide Galaxien zeigen Wechselwirkung untereinander und sind im Arp-Katalog [199] unter der Nummer (Arp 281) als Doppelgalaxien mit Einströmung und Anziehung aufgeführt. In Abb. 3 ist sie am oberen Rand von NGC 4631 zu erkennen. [196]

Hockeyschläger-Galaxie NGC 4656/7

NGC 4656
NGC 4656/7: 500 mm Cassegrain 3625 mm f/7.2; SBIG STL11K; 390+40+40+40 min LRGB; Sternwarte Lischerli, Ottenleuebad, Berner Oberland; © 2015 Radek Chromik

Am 20. März 1787 stiess William Herschel erstmals auf auf dieses Objekt. John Louis Emil Dreyer sah darin zwei getrennte Nebel und gab ihnen die Nummern 4656 und 4657 in seinem «New General Catalogue». Aufgrund der eigenwilligen Form hat diese Galaxie auch die Spitznamen Hockey Stick (Hockeyschläger) oder Crowbar (Geissfuss) erhalten. Im Catalogue of Principal Galaxies (PGC) [144] sind die beiden als ein und dieselbe Galaxie aufgeführt (PGC 42863).

Gemäss LEDA [134] bewegt sich die Galaxie mit einer Geschwindigkeit von 646±4 km/s von uns weg. Die daraus errechneten Entfernungsangaben liegen im Bereich von 15 bis 30 Millionen Lichtjahren.

Bei NGC 4657 handelt es sich um ein helles Gebiet mit intensiver Sternentstehung mit leuchtkräftigen Sternen und Nebeln innerhalb der Galaxie NGC 4656, vermutlich entstanden durch eine frühere gravitative Wechselwirkung mit der nur weniger als einer halben Million Lichtjahre entfernten Galaxie NGC 4631. Bei einer Entfernung von etwa 25 bis 30 Millionen Lichtjahren, entspricht der Winkeldurchmesser von etwa 2 x 1 Bogenminuten einer wahren Grösse von 7000-8000 Lichtjahren. In Abb. 4 ist am nördlich der Galaxie noch eine weitere, lichtschwache Struktur zu erkennen, welche mit NGC 4656 in Verbindung zu stehen scheint. [196]

«Catalogue of Principal Galaxies (PGC)», Paturel et al. 1989 [144] Koordinaten in J2000.0; HRV = Heliozentrische Radialgeschwindigkeit; PA = Positionswinkel
NamenRA
[hms]
Dec
[dms]
Morph
Typ
Dim
[']
Btot
[mag]
HRV
[km/s]
PA
[°]
NGC 462712 41 59.6+32 34 29E M2.2 x 1.713.0765 10
NGC 463112 42 07.6+32 32 28SB M15.2 x 2.89.7609 86
NGC 4656, NGC 465712 43 58.6+32 10 35IB M15.3 x 2.410.7641 33

Auffindkarte

Die Galaxiengruppe befindet sich im Sternbild Jagdhunde (Canes Venatici) nahe der Grenze zu Haar der Berenike (Coma Berenices). Der 4.9 mag helle Stern 37 Comae Berenices dient als Orientierungshilfe.

Karte
Karte mithilfe von SkySafari 6 Pro [149] und STScI Digitized Sky Survey [160] erstellt.

Visuelle Beobachtung

Bleistiftskizze von Eduard von Bergen, 2003 [192]

350 mm Öffnung: In einem Grossfeldokular vermitteln die vier Galaxien einen beeindruckenden Anblick über die tiefen des Weltalls und deren Vielfältigkeit. Biete sich doch einerseits ein sich kanibalisierendes und stark grafitativ beeinflussendes Galaxienepaar. Weiter findet man eine helle zigarrenförmige Galaxie mit einem scheinbaren kleinen rundlichen Begleiter. Die letztgenannte, kleine Galaxie liegt aber rund dreimal tiefer im Weltall.

Es lohnt sich alle vier Galaxien mit einem Blick in einem Grossfeldokular anzusehen. Die Details der 13.3 mag, 9.8 mag und je ca. 10.7 mag hellen Galaxien kommen in einer mitleren Vergrösserung gut zum Vorschein. [192]

14" PWO-Dobson, F:4.6 / TV-Nagler 31mm, 52x, 1.6° und TV-Nagler 13mm, 123x, 0.67°
Eduard von Bergen

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