Kugelsternhaufen Messier 54

Messier 55
Messier 55: Aufnahme mit dem Hubble Weltraumteleskop [215]

Geschichte

Der Kugelsternhaufen M 54 wurde am 24. Juli 1778 von Charles Messier entdeckt und später NGC 6715 in J. L. E. Dreyers 1888 erschienenen «New General Catalogue of Nebulae and Clusters of Stars» aufgenommen. Messier beschrieb seine 54. Entdeckung als «sehr heller Nebel, entdeckt in Sagittarius, ist hell im Zentrum und enthält keinen Stern, gesehen mit achromatischem Fernrohr mit 3.5 Fuß [Brennweite]». Vermutlich war John Herschel der erste, der den Kugelsternhaufen 1834 in Einzelsterne auflösen konnte. [4]

Physikalische Eigenschaften

M 54 ist der zweit-massereichste Kugelsternhaufen. Entfernungsmessungen ergeben eine Distanz von 88'100 bis 97'800 Lichtjahren [145]. Der Kugelsternhaufen befindet sich also sehr weit von der Milchstraße entfernt. Anfangs vermutete man noch eine Zugehörigkeit zur Milchstraße, doch zeigte es sich 1994, dass M 54 tatsächlich zur benachbarten Sagittarius-Zwerggalaxie (Sgr dSph, Sag DEG) gehört. Diese Zwerggalaxie befindet sich in einem spiralförmingen, polaren Orbit um das Zentrum der Milchstraße und hat zu diesem einen aktuellen Abstand von etwa 50'000 Lichtjahren. Aufgrund der Schwerkraft wird sich die Milchstraße diese Zwerggalaxie samt Kugelsternhaufen einverleiben. M 54 liegt aus unserer Perspektive genau im Zentrum dieser Zwerggalaxie, weshalb man erst dessen Kern darin vermutete. Eine Studie zeigte jedoch, dass beide unterschiedliche Sternpopluationen besitzen und somit unabhängig voneinander entstanden sein mussten. Sie haben erst später durch die Schwerkraft zueinander gefunden. [215, 278]

«Revised New General Catalogue and Index Catalogue» Dr. Wolfgang Steinicke, 2021 [277]
BezeichnungNGC 6715
TypGCL (III)
Rektaszension18h 55m 03.3s
Deklination-30° 28' 40"
Durchmesser12.00 arcmin
Visuelle Helligkeit7.7 mag
Dreyer Beschreibungglobular, vB, L, R, g, smbM, rrr, st 15
IdentifikationM 54, GCL 104, ESO 458-SC8

Auffindkarte

Der Kugelsternhaufen befindet sich in der südöstlichen Ecke des Teapots im Sternbild Sagittarius (Schütze), etwa 1.75° WSW vom Doppelstern Ascella (ζ Sagittarii) entfernt. Die beste Beobachtungszeit ist Juni bis August.

Karte Messier 54
Karte mithilfe von SkySafari 6 Pro und STScI Digitized Sky Survey erstellt. [149, 160]

Quellenangaben

4«Burnham's Celestial Handbook: An Observer's Guide to the Universe Beyond the Solar System» by Robert Burnham; Dover Publications, Inc.; Voume I: ISBN 0-486-23567-X; Volume II: ISBN 0-486-23568-8; Volume III: ISBN 0-486-23673-0
145SIMBAD astronomical database; simbad.u-strasbg.fr/simbad
149SkySafari 6 Pro, Simulation Curriculum; skysafariastronomy.com
160The STScI Digitized Sky Survey; archive.stsci.edu/cgi-bin/dss_form
215Explore - The Night Sky | Hubble’s Messier Catalog; nasa.gov/content/goddard/hubble-s-messier-catalog (2020-12-31)
277«Historische Deep-Sky Kataloge» von Dr. Wolfgang Steinicke; klima-luft.de/steinicke (2021-02-17)
278«The ACS Survey of Galactic Globular Clusters: M54 and Young Populations in the Sagittarius Dwarf Spheroidal Galaxy» Michael H. Siegel, Aaron Dotter, Steven R. Majewski, Ata Sarajedini, Brian Chaboyer, David L. Nidever, Jay Anderson, Antonio Marín-Franch, Alfred Rosenberg, Luigi R. Bedin, Antonio Aparicio, Ivan King, Giampaolo Piotto, I. Neill Reid;; DOI:10.1086/522003