Galaxienpaar NGC 6702 und NGC 6703

Objektbeschreibung

NGC 6702 + NGC 6703
Galaxien NGC 6702 (oben) und NGC 6703 (unten): Ausschnitt aus PanSTARRS/DR1 Color [147]

Die kleine elliptische Galaxie NGC 6702 bewegt sich mit einer Geschwindigkeit von etwa 5000 km/s von der Lokalen Gruppe weg. Die Neigung der Rotationsachse, soweit man bei einer elliptischen Galaxie davon überhaupt sprechen kann, beträgt 55 Grad.

Die Spiralgalaxie NGC 6703 liegt bedeutend näher als NGC 6702, denn ihre Radialgeschwindigkeit bezüglich der Lokalen Gruppe beträgt etwa 2500 km/s. Wir blicken ziemlich senkrecht auf die Galaxienscheibe. Unsere Blickrichtung und die Rotationsachse der Galaxie weichen um 21 Grad voneinander ab.

«Catalogue of Principal Galaxies (PGC)», Paturel et al. 1989 [144] Koordinaten in J2000.0; HRV = Heliozentrische Radialgeschwindigkeit; PA = Positionswinkel
NamenRA
[hms]
Dec
[dms]
Morph
Typ
Dim
[']
Btot
[mag]
HRV
[km/s]
PA
[°]
NGC 670218 46 57.6+45 42 24E1.9 x 1.513.34712 65
NGC 670318 47 18.9+45 33 03L2.7 x 2.512.32365

Wie findet man NGC 6702 und NGC 6703?

Für alle Hutkanten- oder Telradbeobachter ist ein “Starhop” vom Stern 13 Lyrae zu empfehlen, denn dieser ist mit blossem Auge sichtbar. Es sind etwas mehr als 2 Grad in nordwestlicher Richtung zurückzulegen. Zum Hoppen gibt der Inset in nebenstehende Karte ein kleine Anregung.

Karte
Karte mithilfe von SkySafari 6 Pro [149] und STScI Digitized Sky Survey [160] erstellt.

Visuelle Beobachtung

200mm Öffnung: Das Sternbild Lyra (Leier) ist bekannt aufgrund vieler Doppelsterne und des hervorragenden planetarischen Nebels M 57 - weniger wegen der Galaxien.

Umso mehr ein Grund für mich, mal nach den Galaxien zu schauen, die man dort finden kann. Beide hier genannten Galaxien konnte ich aus der ca. 50.000 Einwohner zählenden Stadt Wetzlar beobachten. Ein Zeichen dafür, dass man auch aus Städten heraus Deep-Sky-Beobachtungen erfolgreich durchführen kann.

Zu der helleren der Galaxien, NGC 6703, notierte ich: "erscheint die meiste Zeit (um 90 %) rund und zur Mitte hin konzentriert mit gleichmässigem Helligkeitsgradient. Möglicherweise stellarer Kern?". Diese Aussage bezog sich auf ca. 120fache Vergrösserung - mehr lässt mein 20cm Dobson meist nicht zu. Zumindest nicht, um zwischen stellar und nahezu stellar zu unterscheiden.

Im gleichen Gesichtsfeld sah ich am Limit ein Fläche glimmen: "fragwürdige 10% Beobachtung. Ein diffuser Nebel scheint dort manchmal zu schimmern". Form und Struktur blieben unklar.

Hier zeigt sich allerdings, dass Zeichnen sehr viel bringt. Denn war das 'Schimmern' auch nur zeitweise: um es in eine Skizze einzutragen und damit die Position relativ zu den Sternen so genau wie möglich festzuhalten, reichte es aus.

Eine Auswertung mit dem Computer, dh. Vergleich mit dem Hubble Guide Star Catalogue, ergab eine exakte Übereinstimmung mit der Galaxie NGC 6702.

Frank H. Leiter

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