Kugelsternhaufen M4 und NGC 6144

Messier 4

M4
Aufnahme von M 4 mit dem Hubble Weltraumteleskop [249]

Messier 4 ist ein schöner Kugelsternhaufen, einer der grössten und uns am nächsten gelegenen. Er wurde erstmals von P. L. de Cheseaux im Jahre 1746 beobachtet. Im Mai 1764 beschrieb ihn Messier als ein Haufen sehr kleiner Sterne, welcher mit kleineren Teleskopen mehr wie ein Nebel erscheint.

M4
Aufnahme von M 4; Vixen FL 102s, 40min auf Kodak Ektar 1000, 20.6.93, Bernhard Blank und D. Mihajlovic [175]

Der Kugelsterhaufen M 4 gehört zu denen dem Sonnensystem am nächsten gelegenen überhaupt. Enfernungsangaben schwanken von 5700 bis 7500 Lichtjahren und der Haufen bewegt sich mit einer Geschwindigkeit von etwa 65 km/s vom uns weg. Neuere Schätzungen sind eher im oberen Bereich anzusiedeln. Man schätzt die Population auf wenige Hundertausende von Sternen, die von erdgebundenen Teleskopen sichtbar sind. Zusätzlich werden noch etwa 40'000 weisse Zwerge vermutet, die schwächsten davon besitzen etwa ein Vierzigstel der Leuchtkraft der hellsten in dem Haufen. M 4 gehört trotz seines relativ grossen Winkeldurchmessers zu den eher kleineren Kugelsternhaufen unserer Milchstrasse.

M4 HR-Diagramm
HR-Diagramm von M4 [175]

Das HR-Diagramm dieses Haufens zeigt, dass das Sternenlicht durch Dunkelwolken in dieser Region um etwa 0.8 Magnituden gerötet ist. Die Helligkeit der hellsten Sterne beträgt 10.8 mag und die des horizontalen Zweigs im HR-Diagramm beträgt 13.4 mag. [4]

Der Kugelsternhaufen M 4 war auch das Ziel einer Studie mithilfe des Hubble Space Telescopes. Es wurde eine Vielzahl an "stellaren Leichen", sogenannten weissen Zwerge entdeckt. Anhand der Messresultate lassen sich die Voraussagen über die Kühlrate weisser Zwerge verfeinern — ein wichtiges Hilfsmittel um zuverlässige Aussagen über das Alter der Milchstrasse und des Universums machen zu können. Weisse Zwerge sind ausgebrannte Kerne kollabierter Sterne, die wie ein Stück Glut langsam abkühlen und erlöschen. Das Universum ist noch nicht alt genug, um völlig ausgebrannte und erkaltete weisse Zwerge — sogenannte schwarze Zwerge — zu beherbergen. Altersschätzungen des Universums variieren z. Z. von acht bis 20 Mrd. Jahren — paradoxerweise wird das Alter von M 4 auf etwa 14 Mrd. Jahre geschätzt. M 4 ist so alt, dass sich alle Sterne mit mindestens 80% Sonnemasse bereits zu roten Riesen entwickelt haben, gefolgt von einen Kollaps zu einem weissen Zwerg. [175]

— 1999, Bernd Nies

«The Complete New General Catalogue and Index Catalogue of Nebulae and Star Clusters» von J.L.E. Dreyer, nachbearbeitet 1988 von Roger W. Sinnott [142]. Koordinaten in B2000.0.
Name Typ RA [hm] Dec [dm] Const ⌀ ['] vMag Beschreibung
NGC 6121Gb16 23.6-26 32Sco26.35.9Cl, 8 or 10 B st line, with 5 st, rrr; = M4

NGC 6144

NGC 6144
NGC 6144. 15'x15' Ausschnitt aus dem STScI Digitized Sky Survey [160]

Überblendet vom roten Riesen Antares und im Schatten von Messier 4 befindet sich NGC 6144, ein weiterer kugelförmiger Sternhaufen. Er wurde im Jahre 1784 von W. Herschel aufgefunden. Dreyer beschrieb ihn von beträchtlicher Grösse, stark konzentriert, gegen die Mitter heller werdend und gut in Einzelsterne auflösbar. NGC 6144 weist mit einem Konzentrationsindex von 11 eine sehr geringe zentrale Verdichtung auf (1 = höchste Dichte).

— 1999, Bernd Nies

«The Complete New General Catalogue and Index Catalogue of Nebulae and Star Clusters» von J.L.E. Dreyer, nachbearbeitet 1988 von Roger W. Sinnott [142]. Koordinaten in B2000.0.
Name Typ RA [hm] Dec [dm] Const ⌀ ['] vMag Beschreibung
NGC 6144Gb16 27.3-26 02Sco9.39.1Cl, cL, mC, gbM, rrr

Auffindtipp für die beiden Kugelsternhaufen

Die beiden Kugelsternhaufen Messier 4 und NGC 6144 sind ganz einfach zu finden. Dabei wird im Teleskop mit einem Grossfeldokular der schöne rote Überriese Antares (α Scorpii) eingestellt und dann das Teleskop leicht in Richtung Westen geschwenkt. Voilà, da sind die beiden kleinen Racker. Einfacher geht's nun wirklich nicht. Die beste Beobachtungszeit ist Mai bis Juli, wenn das Sternbild Skorpion nachts am höchsten über dem Südhorizont steht.

Karte
Karte mithilfe von SkySafari 6 Pro [149] und STScI Digitized Sky Survey [160] erstellt.

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